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Wie viel Abluftwärme steht wirklich zur Verfügung? Die ersten Messgrößen

16.10.2026

Ein erster Abluftwärme-Überschlag braucht gemessenen Volumenstrom, Temperaturdifferenz und reale Betriebsstunden. Die Rechnung zeigt nur sensible Wärme – nicht den nutzbaren Ertrag der Wärmepumpe.

Erst den Luftstrom erfassen, nicht schätzen

Bei einer Abluft-Wärmepumpe ist „warme Abluft“ noch keine belastbare Mengenangabe. Für eine Vorprüfung gehören mindestens drei Größen ins Datenblatt: der tatsächlich geförderte Volumenstrom, die Ablufttemperatur am geplanten Entnahmepunkt und die Stunden, in denen dieser Zustand wirklich anliegt. Ergänzend wird eine Vergleichstemperatur festgelegt, etwa die Temperatur der angesaugten Ersatzluft oder ein definierter unterer Grenzwert für die Abkühlung. Der Volumenstrom sollte möglichst im regulären Lüftungsbetrieb erfasst werden – samt Betriebsstufe und Zeitpunkt. Ein Nennwert aus einer Gerätebeschreibung beschreibt nicht automatisch den realen Luftstrom im Gebäude. Temperaturmessungen sollten mit Ort und Betriebszustand notiert werden; eine einzelne Momentaufnahme bildet weder Tagesgang noch saisonale Schwankungen ab. Stundenweise oder zumindest nach typischen Betriebsphasen getrennte Messwerte sind aussagekräftiger. Die Systemgrenze muss ebenfalls ins Blatt: Geht es um den Luftstrom vor dem Wärmetauscher, um die dort entzogene Wärme oder um die am Ende an einen Heizkreis abgegebene Wärme? Bewertungsverfahren für Abluft-Wärmepumpen unterscheiden ausdrücklich Bilanzgrenzen und Ein- sowie Ausgangsgrößen. Wer Größen aus unterschiedlichen Grenzen vermischt, kann eine rechnerische Quellleistung fälschlich als Heizleistung lesen.

Die sensible Wärme mit Einheiten überschlagen

Für einen ersten, vereinfachten Überschlag der fühlbaren (sensiblen) Wärme kann die Luft als trockener Strom angenähert werden: Q̇ = ρ · V̇ · cₚ · ΔT Dabei ist Q̇ die Wärmeleistung in kW, ρ die Luftdichte in kg/m³, V̇ der Volumenstrom in m³/s, cₚ die spezifische Wärmekapazität in kJ/(kg·K) und ΔT die nutzbare Temperaturabsenkung in K. Die Einheiten kürzen sich zu kJ/s, also kW. Für Stundenenergie gilt: E = Q̇ × Betriebsstunden; kW × h ergibt kWh. Die Gleichung macht sichtbar, warum Temperatur allein kein Maß für die verfügbare Wärme ist: Auch Luftmenge und Betriebszeit zählen. ΔT ist zudem nicht einfach die Raumtemperatur, sondern die Temperaturspanne, die unter dem angesetzten Betriebszustand tatsächlich abgekühlt werden kann. Die spätere Wärmepumpe hebt die Quellenergie auf ein nutzbares Temperaturniveau, aber dadurch wird die Quellrechnung nicht zur Heizleistungsangabe.

Ein Zahlenbeispiel – ausdrücklich nur als Szenario

Nur als Rechenbeispiel mit ausdrücklich angenommenen Werten: 100 m³/h entsprechen 0,0278 m³/s. Setzt man für den Überschlag ρ = 1,2 kg/m³, cₚ = 1,0 kJ/(kg·K) und eine Abkühlung um 10 K an, ergibt sich rund 0,33 kW sensible Quellwärme. Läuft dieser angenommene Zustand 2.000 Stunden, wären das rechnerisch etwa 670 kWh. Das ist keine Prognose für ein Gebäude: Alle drei Kennwerte sind Beispielannahmen, keine gemessenen Anlagenwerte. Die Wärmepumpe kann diese Quellwärme auf ein höheres Temperaturniveau bringen, aber die Beispielzahl ist weder ihre abgegebene Heizleistung noch ihr Jahresertrag. Für eine Leistungs- oder Effizienzbewertung gehören zusätzlich Stromaufnahme, reale Betriebszustände und eine passende Systemgrenze in die Bilanz.

Feuchte, Übertrager und Wärmesenke begrenzen den Nutzen

Die Rechnung oben erfasst nur den sensiblen Anteil, also den Temperaturunterschied. Feuchte Luft enthält zusätzlich Wasserdampf; ändert sich der Feuchtegehalt oder fällt Kondensat an, reicht die einfache Formel für eine vollständige Luftenthalpiebilanz nicht aus. Relative Feuchte und Temperatur sollten deshalb gemeinsam gemessen oder dokumentiert werden, wenn ein genauerer Ansatz gefragt ist. Für die Vorprüfung bleibt die sensible Rechnung eine klar begrenzte Unterrechnung, nicht die ganze verfügbare Energie. Auch der Wärmeübertrager entscheidet darüber, was praktisch entzogen werden kann. Nicht jede rechnerisch vorhandene Wärme wird übertragen: Temperaturannäherung, Druckverluste, Regelung und Abtau- oder Stillstandszeiten können die nutzbare Leistung mindern. Bei rekuperativen Systemen bleiben die Luftströme getrennt; Wärme wird über eine Trennfläche übertragen. Der tatsächliche Übertragungsgrad ist dem Datenblatt oder einer fachlichen Auslegung des konkreten Geräts zu entnehmen – nicht durch einen frei erfundenen pauschalen Abschlag zu ersetzen. Schließlich braucht es eine zeitlich passende Wärmesenke. Eine hohe Quellmenge allein sagt nicht, ob Raumheizung oder Warmwasser gleichzeitig Wärme aufnehmen können. Das UBA weist darauf hin, dass eine zu niedrige Abwärmetemperatur eine direkte Nutzung erschweren kann und eine Wärmepumpe das Niveau anhebt. Diese Anhebung kostet jedoch Antriebsstrom; die Quellwärme darf nicht mit der Nutzwärme am Heizkreis gleichgesetzt werden. Untersuchungen zu Abluft- und Fortluft-Wärmepumpen betrachten deshalb energetische Kennwerte und Regelstrategien anhand festgelegter Bilanzgrenzen und Messungen. Als nächster Planungsschritt lohnt sich ein Messblatt mit Zeitstempel, Luftvolumenstrom, Ablufttemperatur, Referenztemperatur, Feuchte, Betriebszustand und verfügbarer Wärmesenke. Die daraus entstehende Rechnung beantwortet eine enge, aber nützliche Frage: Welche Größenordnung sensibler Wärme ist im beobachteten Zustand vorhanden? Eine Geräteauswahl oder Anlagenauslegung ersetzt sie nicht.

Quellen

  1. Umweltbundesamt
  2. Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
  3. Umweltbundesamt