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Gebäudeintegrierte PV bei der Fassadensanierung: Gewerke und Ersatzkonzept koordinieren

09.10.2026

Wer Photovoltaik als Teil einer erneuerten Fassade plant, sollte die Lösung früh festlegen, Zuständigkeiten an den Schnittstellen benennen und den Austausch einzelner Elemente mitdenken. Ein belastbares Konzept verbindet Hüllenplanung, elektrische Auslegung und Rückbaubarkeit – ohne eine bestimmte Konstruktion für jedes Gebäude vorauszusetzen.

BIPV ist Teil der Fassade – nicht bloß ein Zusatz

Bei einer Fassadensanierung fallen Entscheidungen über Bekleidung, Dämmung, Befestigung und Anschlüsse ohnehin an. Bauwerkintegrierte Photovoltaik (BIPV) kann mehrere Aufgaben in einem Bauteil bündeln: Ein am Fraunhofer ISE entwickeltes Fassadenelement vereint laut Institut Stromgewinnung, Wetterschutz und Wärmedämmung. Das ist ein Demonstrator und kein universelles Rezept; entscheidend ist, welche Funktionen die konkrete alte Fassade erfüllen muss und welche davon die neue Konstruktion übernehmen soll. [Fraunhofer ISE: Fassadenelement](https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/presseinformationen/2024/schnell-montierbares-waermegedaemmtes-bipv-fassadenelement.html) Die Grundsatzfrage gehört daher an den Anfang der Planung: Soll PV als Bekleidung mitwirken oder wird sie zusätzlich vor die fertige Außenwand montiert? Das verändert Aufbau, Anschlüsse, elektrische Leitungswege und die spätere Instandhaltung. Ein 2026 veröffentlichter ISE-Leitfaden empfiehlt, passende BIPV-Lösungen bereits in frühen HOAI-Phasen auszuwählen und im Projektverlauf weiterzuentwickeln. [Fraunhofer ISE: BIPV-Planungsleitfaden](https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/presseinformationen/2026/webbasierter-leitfaden-hilft-bei-der-planung-von-bauwerkintegrierter-photovoltaik.html)

Bestand, Ertrag und Verschattung gemeinsam erfassen

Vor der Ausschreibung braucht das Team ein gemeinsames Fassadenmodell: Flächen und Öffnungen, Befestigungspunkte, Anschlussdetails sowie Bereiche, in denen Fensterlaibungen, Balkone oder Nachbargebäude Schatten werfen. Das ist eine praktische Prüfliste, keine vollständige statische oder bauphysikalische Bewertung. Tragfähigkeit und Zustand der Bestandswand müssen die jeweils zuständigen Fachplanenden gesondert untersuchen. Für BIPV nennt das Fraunhofer ISE technische Auslegung sowie Ertrags- und Wirtschaftlichkeitsanalysen als Simulationsbestandteile. Die Einstrahlung lässt sich demnach auch unter Teilverschattung betrachten; an verschatteten Stellen kann die elektrische Auslegung anspruchsvoller werden. Daraus folgt für die Projektplanung: Modulraster, Verschaltung und Wechselrichter nicht getrennt von der Fassadenaufteilung festlegen. Fassadenplanung und PV-Fachplanung sollten die Annahmen und Schattenszenarien gemeinsam dokumentieren. [Fraunhofer ISE: Planungsunterstützung](https://www.ise.fraunhofer.de/de/geschaeftsfelder/klimaneutrale-waerme-und-gebaeude/gebaeudehuelle/planungsunterstuetzung.html)

Schnittstellen schriftlich zuordnen

Mehrere Gewerke treffen hier auf dasselbe Bauteil. Legen Sie deshalb in einer Verantwortungsmatrix fest, wer Fassadenaufbau und Unterkonstruktion plant, wer Modul- und Kabelwege koordiniert, wer elektrische Anschlüsse prüft und wer die Inbetriebnahme dokumentiert. Diese Zuordnung ist eine Projektaufgabe, keine pauschale Verteilung nach Berufsbezeichnung: Bei kleinen Vorhaben kann eine Firma mehrere Rollen übernehmen, bei komplexen Sanierungen braucht es meist klarere Abgrenzungen. Das Fraunhofer ISE analysiert ausdrücklich Akteure, Rollen, Schnittstellen und Zuständigkeiten im Bauprozess. Eine brauchbare Matrix ergänzt jede Zuständigkeit um einen Übergabepunkt: etwa „Leitungsdurchführung freigegeben“ vor dem Schließen der Fassade oder „Modulraster bestätigt“ vor der Bestellung. Der aktuelle ISE-Leitfaden zeigt standardisierte Konstruktionsprinzipien als Planungsgrundlage, die normative und bauordnungsrechtliche Anforderungen erfüllen sollen. Das ersetzt nicht die Prüfung der konkreten Gebäudesituation, der geltenden Anforderungen und nötigen Nachweise. [Fraunhofer ISE: Prozessplanung](https://www.ise.fraunhofer.de/de/geschaeftsfelder/klimaneutrale-waerme-und-gebaeude/gebaeudehuelle/planungsunterstuetzung.html) · [Fraunhofer ISE: Leitfaden](https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/presseinformationen/2026/webbasierter-leitfaden-hilft-bei-der-planung-von-bauwerkintegrierter-photovoltaik.html)

Beispiel: erst Anschlüsse, dann Modulraster freigeben

Angenommen, ein Mehrfamilienhaus erhält eine neue vorgehängte Fassade und PV-Elemente auf ausgewählten Achsen. Vor der Bestellung prüft das Planungsteam, ob das Raster mit Fenstern, Geschossdecken und vorhandenen Anschlüssen zusammenpasst. Die Fassadenfachplanung beschreibt Befestigung und Wasserführung; die Elektroplanung legt Kabelverläufe und zugängliche Trennstellen fest; die PV-Planung stimmt Verschattung und Verschaltung darauf ab. Die Bauherrschaft entscheidet über Gestaltung und Betriebsziel. Das ist ein schematisches Vorgehen, kein ausgeführtes Referenzprojekt. Die Freigabe sollte an eine gemeinsame Planrevision gekoppelt sein. Ändert sich etwa ein Fensterformat, muss geprüft werden, ob sich Modulbelegung, Ertragsannahme oder Leitungsweg ändern. So wird sichtbar, ob die Änderung nur die Gestaltung betrifft oder eine andere Fachplanung erneut öffnen muss. Der Vorteil liegt nicht in zusätzlicher Bürokratie, sondern darin, dass die Fassadenfirma nicht nach einem Raster montiert, das die Elektrotechnik später nicht sinnvoll verschalten kann.

Ersatzkonzept: Austauschbarkeit schon in der Konstruktion prüfen

Ein Ersatzkonzept beantwortet vorab, wie sich ein beschädigtes oder ausgefallenes Fassadenelement erreichen und austauschen lässt. Bei einem 2024 vorgestellten Fraunhofer-Demonstrator können einzelne BIPV-Elemente unabhängig von benachbarten Elementen demontiert werden. Das ist eine konkrete Systemeigenschaft dieses Demonstrators, keine Garantie für jedes BIPV-System. Das Fraunhofer CSP nennt für ein Forschungsprojekt an Aluminiumfassaden außerdem elektrische Konzepte und mechanische Aufhängungen für Montage und Ersatz als Untersuchungsgegenstand. [Fraunhofer ISE: Demonstrator](https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/presseinformationen/2024/schnell-montierbares-waermegedaemmtes-bipv-fassadenelement.html) · [Fraunhofer CSP: Alu-PV-Projekt](https://www.csp.fraunhofer.de/en/credentials/Alu-PV.html) Für das eigene Projekt sollte die Ausschreibung deshalb festlegen, welche Teile einzeln lösbar sein müssen, wie Anschlüsse getrennt werden und welche Dokumentation der Betreiber für Ersatz braucht. Halten Sie Modulmaße, elektrische Kennwerte, Befestigung und Anschlussbild in den Bestandsunterlagen fest. Fragen Sie den Anbieter außerdem, ob Austauschmodule später verfügbar oder kompatible Ersatzlösungen möglich sind. Diese Vorgaben sind eine sinnvolle Beschaffungs- und Betriebsstrategie; sie folgen nicht automatisch aus dem Begriff BIPV.

Planen Sie für das konkrete Gebäude, nicht für eine Musterfassade

Standardisierte Konstruktionsprinzipien können frühe Entscheidungen erleichtern: Der Fraunhofer-ISE-Leitfaden führt laut Institut 15 technisch, ökonomisch und architektonisch vorteilhafte Lösungen für Dach und Fassade auf. Solche Lösungen sind Orientierung und Platzhalter für die weitere Ausarbeitung, kein fertiger Detailnachweis für ein Bestandsgebäude. Abweichungen bei Untergrund, Geometrie, Gestaltung oder Brandschutz können zusätzliche Prüfungen und Anpassungen erfordern. Vor der Vergabe sollten Bauherrschaft, Fassaden- und Elektrofachplanung deshalb dieselbe freigegebene Planungsversion verwenden. Darin stehen Systemaufbau, Zuständigkeiten, Leitungswege, Prüf- und Freigabepunkte sowie das Ersatzkonzept. Je früher diese Punkte geklärt werden, desto weniger Konflikte werden erst sichtbar, wenn die Fassade bereits geöffnet oder bestellt ist.

Quellen

  1. Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE
  2. Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE
  3. Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE
  4. Fraunhofer Center for Silicon Photovoltaics CSP