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Doppelte Verlustleistung bei halbem Strom? DC-Messdaten prüfen

16.10.2026

Doppelte Verlustleistung bei halbem Strom passt nicht zu unverändertem Widerstand: Nach P = I²R wäre sie nur ein Viertel. Ein systematischer Vergleich macht Abweichungen sichtbar.

Der Plausibilitätstest beginnt mit derselben Formel

Ein Rechner oder eine Messauswertung kann zwei Zahlen liefern, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen. Beispiel: Der Strom soll im zweiten Zustand halb so groß sein, die Verlustleistung aber doppelt so hoch. Für einen ohmschen Leitungsabschnitt gilt P = I²R. Bleibt der wirksame Widerstand gleich, ergibt ein halbierter Strom nur ein Viertel der Verlustleistung. Das ist keine Messvorschrift, sondern eine Modellprüfung: Entweder ist eine Eingangsgröße anders als angenommen, der Messpfad hat sich verändert oder die Werte beschreiben nicht denselben Zustand. Die Formel gilt dabei für die betrachtete Widerstandsstrecke; sie erklärt nicht automatisch jede Leistungsanzeige einer Anlage.

Zuerst beide Zustände sauber beschreiben

Legen Sie für Zustand A und B eine Zeile mit Zeit, Strom in Ampere, Spannung in Volt, berechneter Verlustleistung in Watt und verwendeter Widerstandsannahme an. Notieren Sie zusätzlich, ob der Strom zeitgleich mit der Spannung erfasst wurde und ob es sich um einen Momentanwert, Mittelwert oder eine Anzeige des Geräts handelt. Halten Sie die Messpunkte fest: etwa an den Geräteanschlüssen, an den Batteriepolen oder unmittelbar über einem einzelnen Kabelabschnitt. Ein Spannungsunterschied zwischen zwei Messorten ist nicht automatisch ein Wert für genau dasselbe Bauteil. Das ist besonders wichtig, weil Widerstände außerhalb des Kabels – etwa Kontakte – im Rechenmodell fehlen können. Die Victron-Kabeltabelle weist ausdrücklich darauf hin, dass Kontaktverluste darin nicht enthalten sind.

Aus Strom und Widerstand getrennt rechnen

Vergleichen Sie zuerst den Stromfaktor und danach den Widerstandsfaktor. Im Szenario mit I₂ = 0,5 × I₁ und P₂ = 2 × P₁ folgt aus P = I²R rechnerisch R₂ = 8 × R₁. Die achtfache Widerstandsannahme ist hier kein Befund über eine konkrete Anlage, sondern die Konsequenz der beiden vorgegebenen Werte. Rechnen Sie alternativ den Widerstand jedes Zustands aus R = P/I² und prüfen Sie, ob dieselbe Strecke gemeint ist. Bei sehr kleinen Werten können Rundung, Einheitenfehler oder die Verwechslung von mΩ und Ω die Rechnung stark verschieben. Prüfen Sie daher zuerst Dezimalstellen und Umrechnungen, bevor Sie einen Defekt vermuten.

Messorte und Kontakte als Teil des Pfads behandeln

Ein DC-Pfad besteht praktisch nicht nur aus dem Kabel: Sicherung, Schalter, Shunt, Kabelschuhe und Übergänge können ebenfalls Widerstand beitragen. Wenn Zustand A über die Kabelenden und Zustand B über Batterie- und Gerätepole erfasst wurde, vergleichen die Zahlen nicht denselben Widerstand. Auch ein veränderter Kontakt kann relevant sein: Eine lose Verbindung kann mehr Widerstand haben als eine feste. Notieren Sie deshalb, ob die Prüfspitzen an identischen Punkten anliegen und welche Bauteile zwischen ihnen liegen. Der Rechner für DC-Kabelverlust und Querschnitt ist für eine Kabel-Modellrechnung gedacht; reale Kontaktstellen gehören nur dann in den Zahlenvergleich, wenn sie ausdrücklich mit erfasst werden.

Nur gleiche Betriebsbedingungen vergleichen

Ein Spannungsfall ist lastabhängig. Fluke weist darauf hin, dass im betrachteten Kreis Strom fließen muss, damit sich der Spannungsfall messen lässt. Ein Leerlaufwert und eine Messung unter Last sind daher keine vergleichbaren Zustände. Erfassen Sie bei beiden Messungen nach Möglichkeit denselben Betriebszustand und dieselbe Lastphase. Temperatur ebenfalls protokollieren: Kupferwiderstand hängt mit der Temperatur zusammen; NIST beschreibt den Temperaturkoeffizienten des Widerstands als Verfahren zur Temperaturabschätzung. Eine Messung direkt nach hoher Belastung kann daher einen anderen Widerstandspfad abbilden als eine kalte Messung. Ohne Temperatur- und Lastdaten bleibt dies eine mögliche Ursache, nicht die Diagnose.

Messabweichung eingrenzen, nicht erraten

Wenn die Rechnung weiterhin widersprüchlich ist, wiederholen Sie den Vergleich mit synchron erfassten Werten und dokumentieren Sie Messgerät, Messbereich, Auflösung und Bezugspunkte. Bei Spannungsfallmessungen sollte die Last während der Messung tatsächlich fließen; eine reine Widerstandsmessung am stromlosen Abschnitt beantwortet nicht dieselbe Frage. Vergleichen Sie dann erst die gemessene Spannung und den separat gemessenen Strom mit der Modellrechnung. Für eine reine Kabelabschätzung nutzt die Victron-App Spannung, Leitungslänge, Strom und Querschnitt und berechnet den Spannungsfall beider Leitungen. So lässt sich erkennen, ob die Abweichung bereits aus veränderten Betriebswerten stammt oder ob zusätzliche Kontakte und Messpfade betrachtet werden müssen. Arbeiten an elektrischen DC-Anlagen können gefährlich sein; Messungen an energisierten Leitungen sollten nur fachkundig und mit passender Ausrüstung erfolgen.

Quellen

  1. Victron Energy
  2. Victron Energy
  3. Fluke
  4. National Institute of Standards and Technology (NIST)