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Delamination von Solarmodulen: Optische Auffälligkeit und Funktionsrisiko unterscheiden

09.10.2026

Eine sichtbare Ablösung im Modullaminat ist ein Befund, aber noch keine Aussage über den aktuellen Leistungsverlust. Forschung beschreibt Feuchtigkeit als möglichen Treiber weiterer Ablösung und Korrosion; Feldstudien zeigen zugleich unterschiedliche Schadensbilder. Entscheidend ist daher die Kombination aus dokumentierter Sichtprüfung und elektrischer beziehungsweise thermischer Diagnose.

Was Delamination am Modul bedeutet

Bei einem Solarmodul bezeichnet Delamination eine örtliche Trennung an einer Schicht- oder Materialgrenze des Laminats – etwa zwischen Einbettungsmaterial und Glas, Zelle oder Rückseitenmaterial. Die Trennung ist zunächst ein sicht- beziehungsweise untersuchbarer Materialbefund. Sie sagt für sich genommen nicht, wie viel Leistung das einzelne Modul gerade liefert. Relevant wird sie, weil Feuchtigkeit in Polymermaterialien Haftung beeinträchtigen kann; Fraunhofer ISE beschreibt, dass eingedrungene Feuchtigkeit Grenzflächenbindungen schwächen und zusätzliche Eintrittswege begünstigen kann [Fraunhofer ISE](https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/de/documents/publications/conference-paper/35-eupvsec-2018/Mansour_5CV328.pdf).

Auffällig heißt nicht automatisch leistungsgemindert

Eine Blase, milchige Zone oder erkennbare Ablösung ist Anlass zur Dokumentation, aber kein Ersatz für eine elektrische Messung. Untersuchungen an Feldmodulen zeigen, dass Delamination gemeinsam mit anderen Alterungserscheinungen auftreten kann: In einer Studie an Glas-Glas-Modulen wurden neben Delamination auch Verfärbung, Glasbruch oder Korrosion beobachtet; die Häufigkeit und Leistungseffekte unterschieden sich nach untersuchter Gruppe. Eine weitere Untersuchung langjährig betriebener Module fand Rückseitenfehler wie Verfärbung, Delamination und Risse. Das sind Befunde aus konkreten Anlagen und keine Vorhersage für jedes heutige Modul [ASU/IEEE-Feldstudie](https://www.osti.gov/servlets/purl/1811365), [PLOS-ONE-Studie](https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8769327/).

Wie sich der Funktionsbezug prüfen lässt

Zur Einordnung sollten Sichtbefund und Funktion getrennt erfasst werden. Praktisch heißt das: betroffene Stelle und Ausdehnung bei vergleichbarem Blickwinkel fotografieren, Modulkennung und Zeitpunkt notieren und Veränderungen später vergleichen. Für die Leistungsfrage braucht es eine fachgerechte elektrische Diagnose, etwa eine Strom-Spannungs-Messung auf Modul- oder Stringebene. Wärmebild- oder Elektrolumineszenzaufnahmen können zusätzliche Hinweise auf lokale Auffälligkeiten liefern; in der genannten Feldstudie wurde UV-Fluoreszenz als Delaminationsverfahren beschrieben und EL zeigte in einer Gruppe Hinweise auf Feuchtekorrosion. Keine dieser Aufnahmen allein ist eine vollständige Leistungsmessung oder Garantie, dass ein sichtbarer Bereich elektrisch folgenlos ist [ASU/IEEE-Feldstudie](https://www.osti.gov/servlets/purl/1811365).

Feuchtigkeit als möglicher Verstärker

Die Bedeutung der Ablösung hängt auch davon ab, wo sie liegt und ob Feuchtigkeit oder weitere Schäden hinzukommen. Das Fraunhofer-Papier beschreibt einen möglichen Wirkpfad: Wasser diffundiert durch durchlässige Rückseitenmaterialien und Einbettungsschichten, schwächt Grenzflächen, und die Ablösung kann weitere Eintrittswege schaffen. Daraus folgt nicht, dass jede sichtbare Stelle bereits Korrosion oder einen messbaren Ertragsverlust verursacht. Es erklärt aber, warum eine wachsende Ablösung, Feuchtespuren, Verfärbung oder Korrosionszeichen ernsthafter geprüft werden sollten.

Was Betreiber daraus ableiten können

Als praktische Einordnung gilt: Eine einzelne optische Auffälligkeit zunächst sauber erfassen und im Zusammenhang mit Nachbarmodulen, Anlagenmesswerten und Verlauf betrachten. Verändert sich die Erscheinung, treten Risse, braune Stellen oder Korrosion hinzu oder weichen elektrische Werte ab, sollte eine qualifizierte Fachkraft das Modul beziehungsweise den betroffenen String untersuchen. Bei Glasbruch oder freiliegenden elektrischen Teilen nicht berühren und den Anlagenbetreiber beziehungsweise Fachbetrieb einschalten. Eine Ferndiagnose allein anhand eines Fotos kann weder Ursache noch Sicherheitszustand zuverlässig feststellen. Ergebnisse aus einzelnen Feldstudien lassen sich nicht ohne Weiteres auf jedes aktuelle Modul übertragen.

Quellen

  1. Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE
  2. PLOS ONE
  3. IEEE / Arizona State University Photovoltaic Reliability Lab