SolarbefundRatgeberRechner

Dreiphasiger Ersatzstrom: Verbraucher und Anlaufströme prüfen

09.10.2026

Für dreiphasigen Ersatzstrom müssen Wechselrichter und Batterie auch bei kurzzeitiger Überlast zusammenpassen.

Drei Phasen bedeuten nicht automatisch dreimal Reserve

Bei dreiphasigem Ersatzstrom ist die Anschlussart nur der Anfang der Prüfung. Entscheidend ist, welche Ersatzstromkreise tatsächlich versorgt werden, welche Verbraucher gleichzeitig laufen und wie die Lasten auf L1, L2 und L3 verteilt sind. Die SMA-Anleitung beschreibt die angeschlossenen Verbraucher als im Netzausfall aus der Batterie versorgt. [SMA: Anschluss der Ersatzstromverbraucher](https://manuals.sma.de/STPxx3SE40/de-DE/14411614987.html) Nicht die Zahl der Phasen allein beantwortet, ob ein Gerät funktioniert. Prüfen Sie im Datenblatt des konkreten Wechselrichters die Dauerleistung, den zulässigen Strom und die Überlastangaben für den Ersatzstrombetrieb. Eine angegebene Gesamtleistung darf nicht ohne Beleg als frei verfügbare Leistung je Phase verstanden werden. Ebenso wenig sagt ein hoher kurzfristiger Spitzenwert aus, wie viel Leistung über Stunden bereitsteht.

Datenblatt lesen: Dauerwert und Zeitfenster trennen

Ein Herstellerbeispiel zeigt, warum die Zeitangabe dazugehört: SMA nennt für den Sunny Tripower Smart Energy STP10.0-3SE-40 10 kW Bemessungsleistung. Das ist ein gerätespezifischer Wert, keine allgemeine Regel für dreiphasige Speicherwechselrichter. [SMA: Technische Daten des AC-Backup-Anschlusses](https://manuals.sma.de/STPxx3SE40/de-DE/14416377227.html) Beim Prüfen daher drei Listen führen: normale Dauerlasten, kurzzeitig zugeschaltete Lasten und mögliche Anläufe. Addieren Sie die gleichzeitig zu erwartenden Verbraucher und vergleichen Sie die Summe mit der verfügbaren Dauerleistung. Für jede kritische Phase ist zusätzlich die Phasenbelastung zu kontrollieren, sofern das Datenblatt hierfür Grenzwerte nennt. Kurzzeitige Überlast ist nur dann relevant, wenn deren zulässige Dauer den tatsächlichen Start oder Lastsprung abdeckt.

Motoren und Kompressoren gesondert betrachten

Kühlschrank, Tiefkühltruhe, Pumpe oder Kompressor können beim Einschalten deutlich mehr Strom aufnehmen als im laufenden Betrieb. Schneider Electric weist darauf hin, dass der Motoranlaufstrom das Sechs- bis Siebenfache des Volllaststroms erreichen kann, bei effizienten Motoren auch mehr. Der kurze Stromstoß kann außerdem die Spannung absinken lassen und so den Start erschweren. [Schneider Electric: Motoren und Transformatoren auswählen](https://www.se.com/us/en/faqs/FA102209/) Als Arbeitsgrundlage eignen sich Typenschild und Herstellerunterlagen des Verbrauchers: notieren Sie Nennstrom, Anlauf- oder Locked-Rotor-Strom (falls angegeben), Spannung und Phase. Berücksichtigen Sie nicht nur einen einzelnen Motor, sondern auch, ob etwa Pumpe und Kühlgerät nach Netzausfall nahezu gleichzeitig anlaufen. Ein Gerät, das im Dauerbetrieb unter der Leistungsgrenze liegt, ist damit noch nicht automatisch startfähig; die benötigte Überlast muss in Höhe und Dauer zur Wechselrichterangabe passen.

Batterie und Wechselrichter als gemeinsames System prüfen

Die Wechselrichterleistung allein entscheidet nicht über die abrufbare Ersatzstromleistung. SMA macht die volle Funktion einschließlich Überlast davon abhängig, dass Batteriegröße und Wechselrichter aufeinander abgestimmt sind; dabei spielen Batteriekapazität und mögliche Batteriestromstärke eine Rolle. [SMA: Hinweise zu nutzbaren Leistungen](https://manuals.sma.de/STPxx3SE40-Batteries/de-DE/13292529675.html) Prüfen Sie deshalb die Leistungsdaten für genau die Kombination aus Wechselrichter und Batterie, nicht nur die Nennkapazität in Kilowattstunden. Eine große Energiemenge sagt für sich genommen nicht, welche Leistung oder welcher kurzzeitige Strom abgegeben werden kann. Auch Ladezustand und Betriebsbedingungen können die verfügbare Energie im konkreten Ausfallzeitraum begrenzen; maßgeblich bleiben die Herstellerangaben zum System.

Praktische Prüfreihenfolge und Grenzen

Erstellen Sie eine Verbraucherübersicht mit drei Angaben pro Gerät: Phase beziehungsweise Anschlussart, laufende Leistung oder Nennstrom sowie Startverhalten. Markieren Sie unverzichtbare Geräte und typische Gleichzeitigkeit. Prüfen Sie zuerst, ob deren Dauerlast innerhalb der Ersatzstrom-Dauerleistung liegt, dann die Last je Phase und schließlich jeden Motoranlauf gegen die dokumentierte Überlastkurve. Falls Werte fehlen, behandeln Sie den Verbraucher nicht als sicher geeignet, sondern lassen Sie die Startbedingungen fachlich ermitteln. Ein Wechselrichterwert darf nicht allein als Beleg dafür gelten, dass eine ähnlich hohe Leistung dauerhaft verfügbar ist oder beliebige Motoranläufe funktionieren. Die Grenzwerte beziehen sich auf festgelegte Zeitfenster; Phasenlimits und Batteriebedingungen sind zusätzlich zu beachten. Die Tabelle ersetzt weder die Dimensionierung der Leitungen und Schutzorgane noch die Prüfung der Umschaltung und Netztrennung. Installation, Anschluss und Messungen an der Ersatzstromanlage gehören in die Hände einer Elektrofachkraft. Bei Unsicherheit zu Anlaufstrom, Phase oder Überlastfenster sollten Verbraucher einzeln geprüft und Prioritäten beziehungsweise Einschaltreihenfolgen mit der Fachkraft abgestimmt.

Quellen

  1. SMA Solar Technology AG
  2. SMA Solar Technology AG
  3. SMA Solar Technology AG
  4. Schneider Electric