Elektrolumineszenzprüfung: Zellrisse sichtbar machen und Befunde einordnen
09.10.2026
Die EL-Prüfung macht elektrische Auffälligkeiten in Solarzellen als Bild sichtbar. Was ein Zellrissbild zeigt, wie Befunde dokumentiert werden sollten und wo die Aussagekraft endet.
Was die EL-Aufnahme zeigt
Bei einer Elektrolumineszenzprüfung (EL) wird ein PV-Modul elektrisch betrieben und die dabei abgegebene, für das menschliche Auge nicht sichtbare Strahlung bildlich erfasst. Die IEC beschreibt die Aufnahme von EL-Bildern an PV-Modulen; die Zellen werden dabei durch eine Stromversorgung in Vorwärtsrichtung betrieben. In der Aufnahme erscheint eine Zelle nicht einfach als Foto ihrer Oberfläche: Das Bild bildet elektrische Lumineszenz ab. Risse können darin als Linien oder abgegrenzte dunklere Bereiche auffallen. EL ist eine gängige Methode, um Zellrisse zu identifizieren. [IEC TS 60904-13](https://webstore.iec.ch/en/publication/26703), [NLR-Forschungsübersicht](https://research-hub.nlr.gov/en/publications/automatic-crack-segmentation-and-feature-extraction-in-electrolum-2/).
Modulprüfung und Zellprüfung auseinanderhalten
Bei der Einordnung lohnt ein Blick auf den Prüfgegenstand. IEC TS 63202-2 bezieht sich auf nicht verkapselte kristalline Siliziumzellen. Ein Befund an einer solchen Einzelzelle ist daher nicht automatisch ein Befund am fertigen, laminierten Modul. Umgekehrt beschreibt IEC TS 60904-13 die EL-Bildgebung von PV-Modulen. Wer Unterlagen vergleicht, sollte deshalb zuerst festhalten, ob die Aufnahme ein Einzelzell-Prüfstück oder ein vollständiges Modul zeigt. [IEC TS 63202-2](https://webstore.iec.ch/en/publication/61734).
Rissbild beschreiben statt vorschnell bewerten
Ein brauchbarer Befund beginnt mit einer nachvollziehbaren Beschreibung: Wo liegt die Auffälligkeit im Zellraster? Ist eine Linie zu sehen, und grenzt sie einen Bereich ab, der dunkler erscheint? Forschungsarbeiten zur automatischen Bildauswertung nennen als Merkmale unter anderem die vom Riss isolierte Fläche, deren Helligkeit und die Risslänge. Das sind zunächst Bildmerkmale, keine direkte Aussage über einen bestimmten Leistungs- oder Ertragsverlust. Sinnvoll ist, Originalaufnahme, Modulidentifikation und die genaue Lage der Auffälligkeit zusammen zu dokumentieren, statt nur ein pauschales Etikett wie „defekt“ zu vergeben. Der IEA-PVPS-Bericht hebt sowohl Umgebungs- und Geräteanforderungen als auch die Interpretation auffälliger Muster hervor. [NLR-Forschungsübersicht](https://research-hub.nlr.gov/en/publications/automatic-crack-segmentation-and-feature-extraction-in-electrolum-2/), [IEA-PVPS-Berichtshinweis](https://iea-pvps.org/wp-content/uploads/2020/02/Press_Release_T13_13042018_-_Two_New_Reports.pdf).
Was aus einem EL-Befund folgt – und was nicht
Ein sichtbarer Riss ist ein Anlass zur technischen Einordnung, aber kein alleiniger Leistungsnachweis. Die NLR-Forschungsübersicht hält ausdrücklich fest, dass der langfristige Einfluss von Rissen auf die Moduldegradation noch zu bestimmen ist. Daraus folgt: Aus einem einzelnen EL-Bild lässt sich nicht ohne Weiteres ein konkreter Minderertrag oder eine Restlebensdauer ableiten. Der IEA-PVPS-Bericht richtet sich auf Erkennung und Bewertung spezifischer Fehlerbilder im Feldeinsatz; für eine belastbare Entscheidung sollte die EL-Aufnahme deshalb mit dem Prüfauftrag und weiteren verfügbaren Anlagen- oder Moduldaten zusammen gelesen werden. Bei Streit um Garantie, Transport- oder Montageschaden ist außerdem wichtig, dass eine Aufnahme den Zustand zum Prüfzeitpunkt zeigt, nicht von sich aus den Zeitpunkt oder die Ursache eines Risses beweist. [NLR-Forschungsübersicht](https://research-hub.nlr.gov/en/publications/automatic-crack-segmentation-and-feature-extraction-in-electrolum-2/), [IEA PVPS](https://iea-pvps.org/wp-content/uploads/2020/02/Press_Release_T13_13042018_-_Two_New_Reports.pdf).
Praktischer Ablauf für Auftraggeber
Vor der Prüfung sollte der Auftraggeber klären, ob es um eine einzelne Schadensfrage, eine Übergabe oder die Zustandsaufnahme einer Anlage geht. Im Bericht sollten mindestens Prüfobjekt und Bildzuordnung erkennbar sein; bei mehreren Modulen erleichtert eine eindeutige Kennzeichnung den späteren Abgleich. Fragen Sie, welche Aufnahmesituation und Auswertung zugrunde liegen und ob die Aussage eine qualitative Bildinterpretation oder zusätzlich eine quantitative Bildmetrik umfasst – beides wird in der IEC-Beschreibung der Modul-EL-Verfahren als Teil des Umgangs mit Bildern angesprochen. Ein konkreter Folgeschritt sollte sich am Befund und am Prüfziel orientieren; eine bloße Rissmarkierung ersetzt weder die Ursachenklärung noch eine Ertragsbewertung. [IEC TS 60904-13](https://webstore.iec.ch/en/publication/26703), [IEA PVPS](https://iea-pvps.org/wp-content/uploads/2020/02/Press_Release_T13_13042018_-_Two_New_Reports.pdf).