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g-Wert und Lichttransmission im Fensterangebot: Zwei Prozentangaben richtig lesen

16.10.2026

Ein g-Wert und eine Lichttransmission in Prozent sind keine doppelten Angaben: Sie beschreiben unterschiedliche Eigenschaften. Entscheidend ist, ob beide Werte zum angebotenen Glasaufbau und zu denselben Randbedingungen gehören.

Nicht zwei Schreibweisen derselben Prozentzahl

Im Fensterangebot können der g-Wert und die Lichttransmission beide als Prozent oder Dezimalzahl erscheinen. Sie beschreiben aber nicht dasselbe. AGC führt LT (τv), die Lichttransmission, und SF (g), den Solar factor, als getrennte Kennwerte. Die Lichttransmission betrifft sichtbares Licht; der g-Wert beschreibt den solaren Energiedurchlass. Ein hoher Lichtwert lässt sich deshalb nicht direkt als hoher Wärmeeintrag lesen – und umgekehrt. Die Zahlen sind zudem keine bloßen optischen Messablesungen: AGC gibt für Licht- und Solarwerte spektrale Messungen als Grundlage an. Daher gehört zur Zahl immer die Kennwertbezeichnung samt zugehöriger Tabelle.

Zuerst die Tabellenüberschrift prüfen

Ein schneller Plausibilitätscheck ist die Überschrift oberhalb der Kennwerte. AGCs Planibel-Unterlage nennt für 6 mm Planibel Clear LT 89 und SF 84. Das sind Werte für diese konkrete Glasart und Dicke, nicht automatisch für ein fertiges Fenster. Noch deutlicher zeigt es die Performance-Tabelle für Planibel G: Sie ist als Einfachglas mit 6 mm und Beschichtungsposition #2 ausgewiesen. Dort stehen VLT 81 und ein SF von 71 nach ISO beziehungsweise 70 nach EN. Schon die Überschrift macht klar, dass dies nicht automatisch der Kennwert für eine Isolierverglasung oder ein komplettes Fenster ist.

Das Angebot mit dem vollständigen Aufbau abgleichen

Notieren Sie aus dem Angebot nicht nur den Produktnamen. Fragen Sie nach dem vollständigen Aufbau: Scheibenzahl, Dicke jeder Scheibe, Zwischenraum und Füllgas, Beschichtung sowie deren Position. Prüfen Sie dann, ob die Kennwerttabelle genau diese Konfiguration ausweist und ob sie für Einfachglas, einzelne Scheibe oder Isolierglas gilt. Das AGC-Beispiel macht den Unterschied greifbar: Die Produktseite zu Planibel G nennt als Basis für ihre angegebenen Werte eine Isolierverglasung 4-15-4, Beschichtung in Position #2 und 90 Prozent Argon. Das ist nicht dieselbe Tabellenbasis wie das separate AGC-Blatt mit Einfachglas 6 mm. Beides kann korrekt sein, beantwortet aber nicht dieselbe Frage. Lassen Sie sich im Zweifel die zu Ihrem angebotenen Aufbau gehörende Tabelle oder Berechnung benennen.

g und gtot nicht vermischen

Falls ein Angebot zusätzlich Sonnenschutz aufführt, kann dort ein gtot-Wert stehen. Schüco unterscheidet den Solarfaktor des Glases vom Solarfaktor der Kombination aus Glas und Sonnenschutz und bezeichnet Letzteren als gtot. Er ist deshalb nicht einfach ein weiterer Name für den g-Wert des Glases allein. Vergleichen Sie also nur Kennwerte mit derselben Systemgrenze: Glas mit Glas, oder Kombination aus Glas und Sonnenschutz mit einer vergleichbaren Kombination. Die Ausstattungsart gehört immer in die Vergleichsnotiz.

Vergleichscheck für zwei Fensterangebote

Vor dem Preisvergleich können Sie beide Angebote anhand einer kurzen Liste abgleichen: • Ist bei beiden dieselbe Kennzahl gemeint: g, LT/VLT oder gtot? • Gehören die Werte jeweils zum vollständigen angebotenen Glasaufbau? • Stimmen Scheibendicken, Beschichtungsposition und gegebenenfalls Gasfüllung mit der Tabelle überein? • Ist bei Sonnenschutz die Kombination aus Verglasung und Beschattung angegeben? • Sind Norm- oder Berechnungsbedingungen für beide Kennwertsätze vergleichbar? Fehlt eine Angabe, ist das kein Beleg für einen schlechteren Wert; es bedeutet zunächst, dass sich die Zahlen noch nicht belastbar gegenüberstellen lassen. Bitten Sie den Anbieter, die passende Kennwerttabelle zum ausgeschriebenen Aufbau beizulegen. So vergleichen Sie Prozentangaben mit ihrem Kontext statt nur mit ihrer Höhe.

Quellen

  1. AGC Glass Europe
  2. AGC Glass Europe
  3. Schüco
  4. AGC Glass Europe