Generatoranschlusskasten: Wann zusätzliche Zusammenführung sinnvoll ist
09.10.2026
Ein Generatoranschlusskasten ist kein Pflichtbaustein jeder PV-Anlage. Entscheidend ist, ob mehrere Strings passend zu den MPP-Eingängen zusammengeführt werden sollen und welche DC-Schutzfunktionen der konkrete Aufbau verlangt.
Was ein GAK zusammenführt – und was nicht
Ein Generatoranschlusskasten (GAK), oft auch String-Combiner genannt, bündelt DC-Leitungen von PV-Strings und kann zugleich Schutz- oder Schaltfunktionen aufnehmen. Er ist aber nicht automatisch ein zusätzlicher Wechselrichter-Eingang und ersetzt keine Auslegung der gesamten DC-Seite. Die IEC beschreibt PV-Array-Anforderungen ausdrücklich über mehrere Bereiche: DC-Verdrahtung, elektrische Schutzgeräte, Schalten und Erdung gehören zusammen. Für die Planung zählt daher die konkrete Verschaltung zwischen Modulfeld, GAK und Wechselrichter – nicht allein die Zahl der Klemmen im Gehäuse. [IEC 62548-1](https://webstore.iec.ch/en/publication/64171) nennt diese Themen im Geltungsbereich der Designanforderungen.
Wann zusätzliche Stringzusammenführung Sinn ergibt
Ein separater Kasten ist vor allem dann eine prüfenswerte Lösung, wenn mehrere Stringleitungen an einem definierten Punkt gebündelt und geordnet zum Wechselrichter weitergeführt werden sollen. Vor der Entscheidung sollten Planende die Leitungswege, den Montageort, die Anzahl der Strings und die Zuordnung zu den MPP-Eingängen nebeneinanderlegen. Die Herstellerkonfigurationen zeigen, warum „GAK für zwei Strings“ keine ausreichende Spezifikation ist: DEHN führt Varianten mit zwei MPP-Eingängen und je einem String sowie mit je zwei Strings pro MPP auf. Diese Beispiele sind Produktkonfigurationen, keine allgemeine Empfehlung für eine bestimmte Dachgröße. [DEHNs technische Produktangaben](https://www.dehn.de/de-DE/store/f/295263/gak-typ-2-im-gehaeuse-ip65-fuer-pv-anlagen-2mppt-mit-je-1-string-bis-1100v-dc-) verdeutlichen die nötige Zuordnung.
MPP-Tracker und Stromgrenzen zuerst prüfen
Strings dürfen nicht allein deshalb zusammengelegt werden, weil die Steckverbinder mechanisch passen. Die geplante Parallelschaltung muss mit dem Wechselrichter-Eingang und dessen zulässigen Stromwerten übereinstimmen. In der Argeno-Betriebsanleitung nennt Fronius als Beispiel höchstens 20 A pro Stecker und 30 A je MPP-Tracker für die dort gezeigte Zwei-String-Konfiguration. Diese Werte gelten für das beschriebene Gerät und dürfen nicht auf andere Wechselrichter übertragen werden. Ein MPP-Tracker kann unterschiedlich ausgerichtete oder unterschiedlich verschattete Feldbereiche nicht beliebig „ausgleichen“; deshalb muss die Stringzuordnung zum Datenblatt und zur konkreten Eingangsschaltung passen. [Fronius beschreibt Anschlussvarianten und Grenzen](https://manuals.fronius.com/html/4204260547/en-US.html).
Sicherungen sind keine pauschale Ausstattung
Auch die Bestückung mit Strangsicherungen lässt sich nicht aus dem Begriff GAK ableiten. Fronius weist darauf hin, dass Sicherungen je nach ausgewählten Modulen erforderlich sein können. Für die Entscheidung sind also die Moduldaten und die Auslegung des gesamten Generatorstromkreises maßgeblich; zudem müssen die Vorgaben des Wechselrichterherstellers beachtet werden. Ein Kasten ohne Sicherung ist nicht per se ungeeignet – ebenso wenig ist ein Sicherungshalter allein schon ein Nachweis für passende Schutzkoordination. IEC 62548-1 ordnet Schutzgeräte in die umfassende Planung der PV-Array-Verdrahtung und der Schalt- und Erdungsmaßnahmen ein. [Fronius-Betriebsanleitung](https://manuals.fronius.com/html/4204260547/en-US.html) beschreibt die Abhängigkeit von der Modulauswahl.
Schutzgeräte nach Aufgabe auswählen
Ein GAK kann weitere Funktionen bündeln, etwa Überspannungsschutz oder Anschlussklemmen; welche Ausführung gebraucht wird, hängt von Anlagenkonzept und Schutzplanung ab. DEHN nennt bei einer konkreten Produktvariante einen integrierten Überspannungsschutz und Push-in-Klemmen. Das ist eine Ausstattung dieses Modells, kein Merkmal jedes Generatoranschlusskastens. Vor dem Kauf sollten Fachplanende deshalb prüfen, ob der erforderliche Schutz bereits im Wechselrichter oder an anderer Stelle vorgesehen ist, welche Spannung und Ströme zum Gerät passen und ob die vorgesehenen Schalt- und Erdungsmaßnahmen im Gesamtsystem berücksichtigt sind. Die Auswahl des Gehäuses ersetzt weder ein Schutzkonzept noch die Prüfung der passenden Anschlusswerte. [DEHN führt Ausstattung und technische Kenndaten auf](https://www.dehn.de/de-DE/store/f/295263/gak-typ-2-im-gehaeuse-ip65-fuer-pv-anlagen-2mppt-mit-je-1-string-bis-1100v-dc-).
Praktische Entscheidung in drei Schritten
Für die Vorplanung hilft eine kurze Reihenfolge: Erstens Stringzahl, Ausrichtung und gewünschte MPP-Zuordnung festhalten. Zweitens die maximalen Spannungs- und Stromwerte der Module sowie die zulässigen Wechselrichtereingänge gegenprüfen; Fronius weist ausdrücklich auf gerätespezifische Stromlimits und die mögliche Sicherungspflicht hin. Drittens erst danach entscheiden, ob eine zusätzliche Sammelstelle mit den benötigten Schutz- und Schaltfunktionen sinnvoll ist. Beispiel: Bei zwei Strings pro MPP kann ein passend ausgeführter Kasten die Leitungen an einem Punkt zusammenführen; ob dafür Sicherungen nötig sind und welche Nennwerte zulässig sind, beantwortet aber nicht die Anzahl der Stringeingänge, sondern die konkrete Modul- und Wechselrichterauslegung. Die normbezogene Planung umfasst laut IEC zudem Verdrahtung, Schutz, Schalten und Erdung. Arbeiten an der DC-Seite gehören in die Hände qualifizierter Elektrofachkräfte.