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Infrarotheizung mit Photovoltaik: Heizlast und Betriebszeiten realistisch vergleichen

09.10.2026

Entscheidend ist nicht die Jahresproduktion der PV-Anlage, sondern ob Solarstrom dann verfügbar ist, wenn Wärme gebraucht wird. Mit Heizlast, Laufzeit und einem einfachen Szenariovergleich vermeiden Sie zu optimistische Autarkie- und Kostenannahmen.

Erst Wärmebedarf, dann Solarstrom

Bei der Kombination von Infrarotheizung und Photovoltaik zählt mehr als die Summe der jährlich erzeugten Kilowattstunden. Der Wärmebedarf steigt typischerweise gerade in der dunklen Jahreszeit, während der PV-Ertrag über die Jahreszeiten schwankt. Die Verbraucherzentrale weist ausdrücklich darauf hin, dass der Ertrag von Sonneneinstrahlung und Jahreszeit abhängt ([Planung einer Photovoltaikanlage](https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/erneuerbare-energien/photovoltaik-was-bei-der-planung-einer-solaranlage-wichtig-ist-5574)). Ein hoher Jahresertrag beweist deshalb nicht, dass der Heizstrom zur benötigten Stunde vom Dach kommt.

Heizlast ist Leistung, Laufzeit ist Energie

Die Heizlast beschreibt die erforderliche Wärmeleistung für einen Raum oder ein Gebäude unter Auslegungsbedingungen; sie wird in Kilowatt (kW) angegeben. Der Verbrauch über eine Betriebsdauer ist dagegen Energie in Kilowattstunden (kWh). Eine raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 ist auch Bestandteil des Fraunhofer-Planungstools im Forschungsprojekt KALAMARI ([Projektbeschreibung](https://www.ibp.fraunhofer.de/de/projekte-referenzen/kalamari.html)). Für die erste Stromrechnung genügt eine nachvollziehbare Näherung: elektrische Nennleistung in kW × Betriebsstunden = Stromverbrauch in kWh, sofern das Gerät während dieser Zeit durchgehend mit voller Leistung läuft. Bei getaktetem Betrieb sind die tatsächlichen Einschaltstunden oder ein gemessener Zählerwert aussagekräftiger.

Ein Rechenbeispiel, keine Verbrauchsprognose

Angenommen, ein Raum hat eine berechnete Heizlast von 1,2 kW und die geplante Infrarotheizung hat ebenfalls 1,2 kW. Läuft sie an einem kalten Tag insgesamt sechs Stunden auf voller Leistung, ergibt die einfache Rechnung 1,2 × 6 = 7,2 kWh Strom. Das ist ein bewusstes Beispielszenario, keine Aussage über typische Laufzeiten: tatsächlicher Bedarf hängt unter anderem von Gebäude, Wetter, Solltemperatur und Regelung ab. Wiederholen Sie die Rechnung für milde, durchschnittliche und kalte Tage; so wird sichtbar, wie empfindlich das Ergebnis auf die angesetzten Stunden reagiert.

PV-Deckung stundenweise statt pauschal ansetzen

Ordnen Sie für jedes Szenario die Heizstunden dem erwarteten PV-Überschuss zu. Bei einer mittäglichen Heizphase kann die Anlage einen Teil der Last direkt decken; abends oder nachts fällt diese direkte Deckung weg, sofern keine gespeicherte Energie vorhanden ist. Ein Batteriespeicher kann Solarstrom vom Tag in den Abend und die Nacht verschieben, aber nicht den Sommerüberschuss saisonal für den Winter aufheben ([Verbraucherzentrale: Batteriespeicher](https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/erneuerbare-energien/lohnen-sich-batteriespeicher-fuer-photovoltaikanlagen-24589)). Setzen Sie daher in einer Winterrechnung keinen pauschalen Autarkiegrad an. Vergleichen Sie stattdessen tatsächliche oder simulierte PV-Erzeugung und Heizlast im selben Zeitraster, idealerweise stündlich.

Betriebszeiten und Tarife mitprüfen

Direktheizungen sind keine Wärmespeicher: Fällt ihre Stromversorgung aus, steht die abgegebene Wärme nicht später aus einem großen Speicher zur Verfügung. Die Verbraucherzentrale warnt deshalb vor möglichen Komforteinbußen bei tariflichen Sperrzeiten ([Hinweise zu Heizstrom für Infrarotheizungen](https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/preise-tarife-anbieterwechsel/fuer-infrarotheizungen-gibt-es-oft-keinen-guenstigen-heizstrom-38425)). Prüfen Sie vor einer Wirtschaftlichkeitsrechnung mit vergünstigtem Heizstrom beim örtlichen Netzbetreiber, ob die Anlage dafür zugelassen wird, welche Messung nötig ist und wann Abschaltungen möglich sind. Rechnen Sie zusätzlich einen Vergleich mit normalem Haushaltsstrom und ohne Tarif-Sperrzeiten.

Was die Forschung noch klären soll

Auch die Wirkung auf den Komfort lässt sich nicht allein aus der Geräteleistung ableiten. Fraunhofer IBP untersucht in KALAMARI den Energieverbrauch, die Jahresarbeitszahl und den thermischen Komfort von Kombinationen aus Wärmepumpe und Infrarotheizung im Feld und Labor. Das Projekt startete im Juni 2026 und sieht Messungen über mindestens eine vollständige Heizperiode vor ([Fraunhofer IBP: KALAMARI](https://www.ibp.fraunhofer.de/de/projekte-referenzen/kalamari.html)). Das ist ein laufendes Forschungsvorhaben, keine fertige Bestätigung, dass eine solche Kombination überall wirtschaftlich ist. Für die eigene Planung bleibt daher entscheidend: raumweise Heizlast ermitteln lassen, reale Betriebszeiten protokollieren und PV-Deckung zeitgleich zum Wärmebedarf betrachten.

Quellen

  1. Verbraucherzentrale
  2. Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP
  3. Verbraucherzentrale
  4. Verbraucherzentrale