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Korrosionsspuren am PV-Gestell: Material- und Standortursachen untersuchen

09.10.2026

Korrosionsspuren am PV-Gestell sind ein Hinweis, aber noch keine Diagnose. Materialpaarung, Feuchte und Standortfaktoren helfen, die Ursache systematisch einzugrenzen.

Korrosionsspur ist noch keine Diagnose

Ein Rostpunkt, weißlicher Belag oder dunkle Verfärbung am PV-Gestell verrät zunächst nur, dass sich eine Oberfläche verändert. Feuchte kann zusammen mit gelösten Mineralien als Elektrolyt wirken und Korrosionsreaktionen ermöglichen. Das erklärt, warum dieselbe Anlage nach Tau, Regen oder anhaltend feuchten Stellen unterschiedlich aussehen kann – es beweist aber nicht, welcher Mechanismus vorliegt. Korrosion lässt sich oft schwer zurückverfolgen; eine einzelne Verfärbung sollte deshalb nicht vorschnell einem bestimmten Material oder einer bestimmten Montage zugeschrieben werden.

Materialpaarung und Kontaktstelle prüfen

Beginnen Sie mit einer Bestandsaufnahme der berührenden Teile: Schiene, Modulrahmen, Klemme, Schraube, Unterlegscheibe und Erdungs- oder Bonding-Element. In PV-Konstruktionen treffen häufig Edelstahlbefestiger auf Aluminiumrahmen und Stahl- oder Aluminiumprofile. Galvanische Korrosion ist möglich, wenn unterschiedliche leitfähige Werkstoffe elektrisch verbunden sind und ein Elektrolyt hinzukommt. Das Fraunhofer IFAM weist zudem darauf hin, dass ein ungünstiges Flächenverhältnis – große Kathode, kleine Anode – den Angriff konzentrieren und beschleunigen kann. Eine kleine angegriffene Zone an einer Kontaktstelle passt daher als Hinweis zu dieser Möglichkeit, ist für sich allein aber kein Beweis. Prüfen Sie anhand der Montageunterlagen, ob vorgesehene Isolier- oder Trennelemente vorhanden sind; improvisierte Unterlagen oder der Austausch einzelner Schrauben können sowohl die Statik als auch die elektrische Verbindung verändern. Schutzmaßnahmen müssen zur konkreten Verbindung passen.

Muster mit Standortbelastung abgleichen

Dokumentieren Sie, wo die Spuren auftreten: gleichmäßig auf vielen exponierten Teilen, nur an windzugewandten Kanten, unter Ablagerungen oder an dauerhaft feuchten Übergängen. Halten Sie Fotos, Datum, Wetter beziehungsweise Reinigungsereignisse und die betroffenen Bauteile fest. Für die Ursachenprüfung sind nicht nur Meeresnähe, sondern auch Windrichtung, wiederkehrender Tau, Luftfeuchte, Industrie- und Landwirtschaftsemissionen sowie Boden- und Wasserbedingungen relevant. Das US-Energieministerium empfiehlt, atmosphärische, gasförmige, Boden- und Wasserfaktoren im Rahmen einer Standortbewertung zu erfassen; Karten oder allgemeine Standortkategorien ersetzen die Prüfung vor Ort nicht. Bei Freiflächenanlagen sollten auch Drainage und Spritzwasserzonen notiert werden.

Beschichtung, Reinigung und Schadensbild unterscheiden

Achten Sie darauf, ob die Veränderung auf einer Beschichtung sitzt, an Schnittkanten beginnt oder punktförmig in die Oberfläche reicht. Ein PV-Modulrahmen kann eloxiertes Aluminium sein; aggressive beziehungsweise ungeeignete Reinigungschemie ist daher eine mögliche zusätzliche Einflussgröße. Fraunhofer CSP hat für PV-Komponenten Prüfungen beschrieben, mit denen sich unter anderem Loch- und Flächenkorrosion untersuchen lassen. Daraus folgt nicht, dass ein bestimmtes Mittel an Ihrer Anlage die Ursache ist. Notieren Sie deshalb verwendete Reiniger, Konzentration und Einwirkzeit und vergleichen Sie diese mit Herstellerangaben, statt mit Säure, Lauge oder Schleifmitteln „probeweise“ zu behandeln.

Sicheres Vorgehen und Eskalation

Erstellen Sie eine einfache Schadenskarte: Bauteil und Material laut Unterlagen, genaue Lage, Ausdehnung, Nähe zu Kontaktstellen sowie mögliche Feuchte- oder Ablagerungsquellen. Beobachten Sie Veränderungen in Folgekontrollen und bewahren Sie Fotos und Wartungsnachweise auf. Bei lockeren oder sichtbar geschwächten Verbindungen, starkem Materialabtrag oder Schäden an Erdungs- und Bonding-Punkten sollte die Anlage fachkundig geprüft werden; Korrosion an solchen Kontakten kann die elektrische Zuverlässigkeit beeinträchtigen. Lösen, überbrücken oder ersetzen Sie tragende und elektrische Verbindungsteile nicht selbst. Für eine belastbare Diagnose – und die Wahl einer passenden Werkstoffpaarung oder Isolation – kann eine in Korrosionsfragen erfahrene Fachperson erforderlich sein. Sichtprüfung grenzt Ursachen ein, ersetzt aber keine Materialanalyse oder statische und elektrische Prüfung.

Quellen

  1. U.S. Department of Energy, Federal Energy Management Program
  2. Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM
  3. Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik CSP