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Lichtinduzierte Degradation bei Solarmodulen verstehen

08.10.2026

Ein anfänglicher Leistungsrückgang bei Solarmodulen kann durch lichtinduzierte Zellprozesse entstehen. LID und LeTID sind jedoch nicht dasselbe: Zellmaterial und Temperatur spielen eine Rolle, und der Blick auf einen einzelnen Messwert reicht für eine Diagnose nicht aus.

Was hinter LID und LeTID steckt

Lichtinduzierte Degradation (LID) bezeichnet einen durch Lichteinwirkung ausgelösten Rückgang der Zellleistung. Wichtig für die Einordnung: Der Effekt spielt sich laut Fraunhofer CSP im Inneren der Solarzelle ab und muss deshalb nicht als sichtbarer Schaden am Modul erscheinen. LeTID steht für „Light and elevated Temperature Induced Degradation“ – licht- und temperaturinduzierte Degradation. Die Begriffe werden oft gemeinsam genannt, beschreiben aber nicht einfach zwei Namen für denselben Vorgang. Bei LeTID ist die erhöhte Temperatur Teil der Bezeichnung und des relevanten Belastungskontexts; eine pauschale Prozentzahl lässt sich daraus nicht für jedes Modul ableiten.

Anfangsdegradation ist kein automatischer Defekt

Ein Leistungswert kann sich nach der Inbetriebnahme verändern, ohne dass man daraus allein schon einen konkreten Zellfehler diagnostizieren kann. „Anfangsdegradation“ beschreibt zunächst den beobachteten frühen Rückgang, nicht seine Ursache. Ein einzelner Wechselrichter-Tageswert ist dafür kein verlässlicher Beleg: Einstrahlung, Modultemperatur, Verschattung und Messbedingungen beeinflussen den Ertrag. Zum Vergleich von Leistungswerten müssen die Messbedingungen berücksichtigt werden; aus einer Momentaufnahme der Anlage lässt sich keine sichere Zuordnung zu LID oder LeTID ableiten.

Zelltechnologie verändert das Risikobild

Zellaufbau und Fertigung sind relevant, wenn man LID/LeTID bewertet. IEA PVPS nennt galliumdotierte Wafer und verbesserte Fertigungsprozesse als Ansätze zur Verringerung dieser Effekte. Das ist ein Hinweis auf mögliche Gegenmaßnahmen, aber keine Garantie für ein konkretes Modul oder eine Aussage, dass andere Zelltypen grundsätzlich frei von Degradation seien. Ein Fraunhofer-CSP-Benchmark untersuchte neun handelsübliche PERC-Modultypen mit jeweils zwei Modulen je Hersteller. In dieser begrenzten Untersuchung reichten die berichteten LeTID-bezogenen Verluste bis zu 6 Prozent. Das Ergebnis beschreibt die damals geprüften Modelle und Prüfbedingungen, nicht pauschal heutige PERC-Module oder alle Solarmodule.

Wie sich ein Verdacht prüfen lässt

Wenn Leistungswerte auffällig sinken, sollte die Prüfung zuerst die Vergleichbarkeit herstellen: Sind die Messwerte auf gleiche Bedingungen bezogen? Gibt es neue Verschattung, Verschmutzung, Wechselrichtermeldungen oder andere sichtbare Veränderungen? Bleibt ein reproduzierbarer Rückgang bestehen, können Fachleute die Modulleistung unter standardisierten Bedingungen untersuchen und weitere geeignete Diagnostik veranlassen. Fraunhofer CSP führt sowohl Leistungsmessungen als auch Elektrolumineszenz und LID-/LeTID-Prüfungen auf; die Lichtbehandlung und Stabilisierung ist dort dem Prüfpunkt IEC 61215-2 MQT 19 zugeordnet. Eine solche Laborprüfung ist nicht dasselbe wie eine Ferndiagnose anhand des Anlagenportals.

Praktische Konsequenz für Auswahl und Betrieb

Beim Einkauf lohnt es sich, nicht nur nach einem Zelltechnologie-Namen zu fragen, sondern nach belastbaren Leistungs- und Zuverlässigkeitsdaten für das konkrete Modulmodell und nach der zugrunde liegenden Prüfung. Die IEA nennt Material- und Fertigungsansätze, während der CSP-Benchmark Ergebnisse an einer begrenzten Gruppe geprüfter PERC-Module schildert. Nach der Installation ist ein sauber dokumentierter Leistungs-Ausgangswert nützlich; Abweichungen sollte man über vergleichbare Zeiträume und Bedingungen prüfen lassen. Eine Testnorm oder ein bestandener Typentest ersetzt dabei weder die Einordnung des konkreten Betriebs noch eine Ursachenanalyse, falls die Anlage auffällig an Leistung verliert.

Quellen

  1. IEA Photovoltaic Power Systems Programme (IEA PVPS)
  2. Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik CSP
  3. Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik CSP