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Luftwärmepumpe und PV beim Abtauen: Strom und Wärme richtig protokollieren

16.10.2026

Ein Abtauzyklus ist kein einzelner PV-Moment. Entscheidend sind gerätespezifische Gerätedaten, zeitgleiche Strom- und Wärmedaten sowie eine klare Bilanzgrenze – von der Vorphase bis zur Rückkehr in den Heizbetrieb.

Warum der Abtauvorgang die Bilanz verändert

Für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe ist die Außenluft die Wärmequelle: Im Verdampfer nimmt das Arbeitsmedium Wärme aus der Umgebung auf; der Verflüssiger gibt Nutzwärme an das Heizungswasser ab. Der Verdichter benötigt dafür in der Regel einen Elektromotor. Beim Abtauen kann diese normale Heizbilanz zeitweise nicht einfach fortgeschrieben werden. Wer nur auf die PV-Leistung oder den Tagesverbrauch schaut, sieht daher nicht, wie viel Strom ein konkreter Abtauzyklus bezogen hat und was gleichzeitig auf der Heizwasserseite geschah. Wichtig ist eine gerätespezifische Definition des Zyklus. Ein Statuscode, eine App-Anzeige oder eine Statistik ist nicht für alle Wärmepumpen gleich. Die Betriebsanleitung des eigenen Modells und die tatsächlich verfügbaren Reglerdaten entscheiden, welche Ereignisse sich markieren lassen.

Ereignisgrenzen statt einzelner Minuten

Protokollieren Sie – sofern der Regler diese Informationen bereitstellt – den Status vor dem Abtauen, den Beginn der Abtauung, das Ende und die Rückkehr in den Heizbetrieb. Ergänzen Sie Uhrzeit und Außentemperatur. Nehmen Sie die Vor- und Nachlaufphase mit auf: Ein einzelner günstiger PV-Moment während des Zyklus sagt noch nichts über dessen Gesamtbilanz. Ein Herstellerbeispiel zeigt, warum die Datenebene wichtig ist: Die Vaillant-Anleitung für aroTHERM perform listet elektrische Energie der Wärmepumpe und Abtauenergie als thermische Energie für Enteisungsanforderungen. Die Statistik ist nach Zeiträumen und Vorjahren gegliedert. Das ist nützlich für Energieübersichten, aber kein Ersatz für zeitgestempelte Einzelereignisse. Folgerung: Lassen sich in der Modellsteuerung keine Ereigniszeiten exportieren, braucht eine Zyklusanalyse eine separate Zeitreihe oder einen verfügbaren Statuslogger. Der Vaillant-Eintrag darf nicht auf andere Hersteller oder Baureihen übertragen werden.

Strom, Zusatzheizer und Wärme getrennt erfassen

Für jeden Zyklus gehören mindestens diese Messpunkte zusammen, soweit sie vorhanden sind: Wärmepumpenstatus, elektrische Leistung oder Zählerstand der Wärmepumpe sowie der Zustand und Verbrauch eines elektrischen Zusatzheizers. Erfassen Sie Wärme auf der Heizungsseite getrennt, etwa über einen vorhandenen Wärmemengenzähler. Vorlauf, Rücklauf und Volumenstrom sind nur dann als eigene Messgrößen sinnvoll, wenn sie vom System tatsächlich geliefert werden und der Messaufbau belastbar ist. Ziehen Sie keine thermische Abtauenergie aus einem elektrischen Zählerstand ab: Das sind unterschiedliche Größen und Bilanzgrenzen. Auch ein Heizstab darf nicht unbemerkt als Verdichterverbrauch erscheinen. Notieren Sie deshalb, ob die elektrische Messung nur die Wärmepumpe oder zusätzlich Pumpen und Zusatzheizer umfasst. Ein Herstellerzähler für Abtauenergie ist ein thermischer Statistikwert; er ist nicht automatisch die momentane Wärmeleistung während jedes einzelnen Ereignisses.

PV-Deckung über den vollständigen Zyklus berechnen

Ordnen Sie der Zeitreihe der Wärmepumpe zeitgleich die PV-Erzeugung und – wenn vorhanden – Netzbezug, Einspeisung sowie Laden und Entladen des Batteriespeichers zu. Nur so lässt sich die Zuordnung innerhalb einer vorher festgelegten Messgrenze nachvollziehbar auswerten. Bei fehlender separater Wärmepumpenmessung bleibt die Aufteilung auf einzelne Verbraucher eine Näherung; kennzeichnen Sie sie nicht als exakte PV-Deckung. Berechnen Sie den Anteil für die gesamte Ereigniszeit einschließlich Vor- und Nachlauf, nicht für eine ausgewählte sonnige Minute. Dokumentieren Sie den Nenner (gesamter Wärmepumpenstrom in diesem Intervall) und wie der PV-Anteil zugeordnet wurde. Sind Speicherflüsse oder Haushaltsverbrauch nicht einzeln messbar, weisen Sie die Unsicherheit aus, statt den gesamten zeitgleichen PV-Ertrag der Wärmepumpe zuzuschlagen. SG Ready liefert dafür keine automatische Garantie: Die BWP-Schnittstellenbeschreibung sieht SG2 zur Nutzung überschüssiger Energie vor. Für eine HEMS-Verknüpfung müssen Wärmepumpen- und Wechselrichtersteuerung tatsächlich kompatibel sein; die Auslösung beruht auf festgelegten Schwellwerten. Zugleich darf die Leistungsabsenkung laut Schnittstellenbeschreibung so umgesetzt sein, dass Betriebszyklen und Abtauvorgänge nicht unterbrochen werden. Das Protokoll sollte deshalb auch anzeigen, ob ein Steuersignal anlageseitig tatsächlich ausgeführt wurde.

Ein praktikables Zyklusprotokoll

Eine Tabellenzeile je Ereignis genügt als Start: Datum; Ereignisbeginn und -ende; gerätespezifischer Status; Außenlufttemperatur; Strom Wärmepumpe; Zusatzheizerstatus und -strom; gemessene Heizwärme; PV-Erzeugung; Netz- und Speicherflüsse; ausgelöste SG-Ready-/HEMS-Anforderung; Datenquelle und Messgrenze. Halten Sie unbekannte Werte leer statt sie zu schätzen. Vergleichen Sie erst mehrere vollständige Zyklen mit gleicher Messgrenze. Dann werden auffällige Stromspitzen, zusätzliche Heizleistung und der zeitliche Zusammenhang mit PV sichtbar, ohne eine günstige Momentaufnahme mit einer realen Zyklusbilanz zu verwechseln. Für die Interpretation und Änderungen der Regelung gelten die Anleitung und die zuständige Fachkraft – nicht ein allgemeines PV-Signal.

Quellen

  1. Umweltbundesamt
  2. Bundesverband Wärmepumpe e. V.
  3. Bundesverband Wärmepumpe e. V.
  4. Vaillant