Parallele Strings: Welche elektrischen Eigenschaften zusammenpassen müssen
08.10.2026
Bei parallelen PV-Strings entscheidet vor allem der Spannungsabgleich am gemeinsamen MPP-Tracker. Gleiche Serienlängen und passende MPP-Spannungen sind wichtige Voraussetzungen; zusätzlich müssen die Strom- und Spannungsgrenzen des konkreten Wechselrichters eingehalten werden. Unterschiedliche Einstrahlung durch Schatten kann eine getrennte Nachführung sinnvoll machen.
Was „parallel“ elektrisch bedeutet
Wer zwei PV-Strings parallel zusammenführt, legt ihre Anschlüsse auf gemeinsame Plus- und Minusleitungen. Im idealisierten Schaltbild liegt an beiden Zweigen dieselbe Spannung an; die Ströme der Zweige fließen zusammen. Der Wechselrichter kann daher nicht zwei unabhängig optimale Spannungen für dieselbe parallel geschaltete Gruppe einstellen. Entscheidend ist, ob die Strings bei einem gemeinsamen Arbeitspunkt noch sinnvoll Leistung liefern. Polystring-Konzepte werden unter anderem für Dachflächen mit unterschiedlicher Ausrichtung genutzt; SMA knüpft das jedoch an elektrische Voraussetzungen ([SMA, Polystring-Betrieb](https://manuals.sma.de/Business-Systeme-PL/de-DE/14480808715.html)).
Der Spannungsabgleich beginnt bei der Serienlänge
Ein guter erster Prüfschritt ist, die Modulzahl pro String zu vergleichen: Bei gleicher Modulserie führen gleich viele Module in Reihe typischerweise zu ähnlich aufgebauten Spannungskennlinien. Gleiche Leistung in Watt ist dagegen kein ausreichender Abgleich. Zwei Modulmodelle mit ähnlicher Nennleistung können unterschiedliche MPP-Spannungen haben; umgekehrt kann ein String mehr oder weniger Strom liefern, ohne dass die MPP-Spannung gleich stark abweicht. Maßgeblich sind die Datenblätter der konkreten Module und die elektrischen Auslegungsdaten des Wechselrichters, nicht allein die Wattzahl auf dem Typenschild. SMA nennt für Polystrings außerdem die gleiche Technologie und MPP-Spannung als Bedingungen.
Stringstrom und zulässige Eingänge
Wenn parallele Zweige zusammengeführt werden, steigt der Strom am gemeinsamen Eingang mit dem Beitrag der einzelnen Strings. Deshalb reicht es nicht, nur auf die Spannung zu schauen: Stringstrom, maximaler Eingangsstrom und die Belastbarkeit der verwendeten Anschlüsse müssen zur konkreten Gerätevariante passen. SMA weist für seine Wechselrichter ausdrücklich darauf hin, den maximalen Eingangsstrom je String zu beachten ([SMA, Anforderungen an PV-Module pro Eingang](https://manuals.sma.de/STPxx50/de-DE/11629468683.html)). Diese Seite ist keine allgemeingültige Grenzwerttabelle für andere Wechselrichter; die Zahlen unterscheiden sich nach Modell. Prüfen Sie deshalb dessen Datenblatt und Anschlussplan.
Ein Rechenbeispiel – ausdrücklich vereinfacht
Angenommen, zwei passend ausgelegte Strings arbeiten im betrachteten Moment jeweils nahe 400 Volt. Liefert String A dann 9 Ampere und String B 10 Ampere, ergibt das idealisiert am gemeinsamen Knoten rund 19 Ampere; 400 V × 19 A entsprechen 7,6 kW Gleichstromleistung. Das Beispiel illustriert nur die Grundrechnung, es ist keine Modulauslegung und berücksichtigt weder Temperaturänderungen noch Kabelverluste oder den tatsächlichen MPP-Verlauf. Wenn die Strings deutlich unterschiedliche MPP-Spannungen haben, kann der eine gemeinsame Arbeitspunkt dazu führen, dass mindestens ein Zweig nicht an seinem individuellen Leistungsmaximum arbeitet. Deshalb ist die gleiche MPP-Spannung in der Planung wichtiger als ein oberflächlicher Vergleich der Modulleistung.
Ausrichtung und Schatten getrennt beurteilen
Ost- und Westflächen können in einem Polystring-Konzept grundsätzlich eine Sonderlösung sein, wenn die genannten Spannungs- und Serienbedingungen stimmen. Das bedeutet jedoch nicht, dass jede unterschiedliche Einstrahlung unkritisch wäre. Bei zeitweise stark verschiedenem Schatten ändern sich die Kennlinien der Zweige; SMA empfiehlt für Strings mit unterschiedlicher Einstrahlung keine Parallelschaltung, sondern einen eigenen MPP-Tracker je String ([SMA, Shade Management](https://manuals.sma.de/Business-Systeme-PL/en-US/14480773899.html)). Ob diese Trennung technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt vom konkreten Schattenverlauf und vom verfügbaren Wechselrichter ab. Module mit dauerhaft ähnlichem Lichtangebot zusammenzufassen und stark abweichende Bereiche separat zu betrachten, ist daher ein sinnvoller Auslegungsschritt.
Prüfliste vor der Verschaltung
Vergleichen Sie für jeden String: Anzahl der seriellen Module, Modultyp und Technologie, MPP-Spannung unter den vorgesehenen Betriebsbedingungen sowie die zu erwartenden Ströme. Prüfen Sie anschließend die Leerlaufspannung bei der örtlich anzusetzenden tiefsten Temperatur gegen die maximale DC-Spannung des Wechselrichters und addieren Sie die möglichen Ströme der parallel angeschlossenen Zweige für den jeweiligen Eingang. Berücksichtigen Sie außerdem Dachausrichtung und Schatten; unterschiedliche Einstrahlung kann eine eigene Nachführung erfordern. Die Herstellerangaben sind modellbezogen und ersetzen keine vollständige PV-Auslegung. DC-Arbeiten und die Prüfung der Schutz- und Anschlussbedingungen gehören in die Hände einer qualifizierten Fachkraft.