PV am Stehfalzdach: Klemmen richtig planen
08.10.2026
Eine Klemmbefestigung kann Durchdringungen der Dachhaut vermeiden, ersetzt aber weder die Prüfung der Falzdeckung noch eine objektbezogene Lastplanung. Entscheidend sind ein passendes System, die Beweglichkeit der Deckung und eine Montage nach konkretem Auslegungsplan.
Erst das Dach bestimmen, dann die Klemme auswählen
„Stehfalz“ beschreibt keine einheitliche Anschlussgeometrie. Vor der Produktauswahl sollten daher Deckungsmaterial, Falzform und -maß, Hersteller sowie Zustand der Dachfläche aufgenommen werden. Fotos der Falze, vorhandene Unterlagen und – wenn verfügbar – Angaben zur Unterkonstruktion helfen, ein konkretes Klemmenmodell zuzuordnen. Das ist mehr als eine Maßfrage: RHEINZINK kennzeichnet sein PV-System ausdrücklich als für eigene Stehfalzdeckungen geprüft und fordert eine passende Falzgeometrie. Auch die Klemmenauswahl anderer Anbieter ist an bestimmte Profilfamilien gebunden; Sonderprofile verdienen eine eigene Klärung statt einer Annahme aufgrund ähnlicher Optik. Bei korrodierten, verformten oder bereits reparierten Bereichen sollte zuerst ein Dachhandwerker beurteilen, ob die Deckung überhaupt zusätzliche Lasten aufnehmen kann.
Durchdringungsfrei heißt nicht folgenlos
Falzklemmen können die Dachhaut unangetastet lassen: Anbieter beschreiben Systeme, die ohne Bohrungen oder zusätzliche Schrauben am Falz befestigt werden. Das vermeidet eine neue Durchdringung, garantiert aber nicht automatisch eine schadensfreie Planung. Eine Klemme kann den Falz verformen oder seine Funktion beeinträchtigen, wenn sie ungeeignet angesetzt oder zu stark angezogen wird. Zudem müssen Blechbahnen sich bei Temperaturänderungen bewegen können. RHEINZINK beschreibt für sein System die Erhaltung dieser Längenänderung; daraus folgt nicht, dass jede Klemme oder jede Schienenkonstruktion das ebenfalls leistet. Planen Sie deshalb anhand der Montagevorgaben des tatsächlich ausgewählten Systems und lassen Sie bei Abweichungen vom Herstelleraufbau nachfragen.
Lasten und Befestigung nicht nach Gefühl verteilen
Die Zahl und Position der Klemmen sollte aus der objektspezifischen Planung kommen, nicht aus einem pauschalen Raster. Wind beansprucht Dachrand- und Eckbereiche oft anders als die Fläche; außerdem zählen Gebäudehöhe, Standort, Dachform, Modulabmessungen und die Befestigung der Dachdeckung selbst. RHEINZINK nennt für sein eigenes System mindestens vier Klemmen je Modulseite und stellt die Klemmenzahl in den Zusammenhang mit einer Windlastbemessung. Diese Mindestangabe ist keine allgemeine Vorgabe für andere Fabrikate oder Dächer. TRITEC verweist für die Lage seiner Klemmen auf den Auslegungsplan. Übernehmen Sie deshalb weder eine Zahl noch ein Schema aus einem fremden Projekt. Lassen Sie die Systemplanung die Kräfte bis in die Dachbefestigung nachvollziehbar berücksichtigen.
Montageablauf: kontrollieren, ausrichten, erst dann festziehen
Ein praxistauglicher Ablauf beginnt mit einer Sichtprüfung und dem Abgleich der Falzform mit der freigegebenen Klemme. Danach werden Positionen nach Plan markiert und Klemmen sauber aufgesetzt, ohne den Falz schräg zu belasten. Bei einem TRITEC-Beispiel wird das SafeClick mit M8-Stehfalzklemme gemäß Auslegungsplan direkt am Stehfalz montiert; die Einlegeprofile werden in das System eingeklickt, statt zusätzliche Bohrungen vorzusehen. Das beschreibt nur diesen Systemaufbau. Drehmomentwerte, zulässige Falzdicken, Klemmenabstände oder die Reihenfolge beim Anziehen dürfen nicht von einem anderen Hersteller übernommen werden. Vor dem Belegen sollten Sitz, Ausrichtung und ungehinderte Beweglichkeit entsprechend der Anleitung geprüft und dokumentiert werden. Bei sichtbarer Falzquetschung oder verschobenen Blechbahnen: Arbeit stoppen und Ursache klären.
Eine gute Planung endet nicht am Modulfeld
Auch Kabelwege, Wartungszugang, Dachränder und Anschlüsse an Durchdringungen gehören in die Layoutprüfung. Ein Beispiel: Bei einer langen Blechbahn können Klemmenpositionen, die zwar zum Modulraster passen, trotzdem ungünstig sein, wenn sie die Bewegungszonen der Deckung oder vorhandene Befestigungspunkte missachten. Hier sollten Dachdecker- und PV-Planung die Lage gemeinsam festlegen. Halten Sie Systemtyp, Falzprofil, Planstand, Klemmenpositionen und Abweichungen fest; das erleichtert spätere Wartung und Fehlersuche. Die zentrale Regel lautet: Nicht „bohrfrei“ mit „risikofrei“ verwechseln. Erst die Eignung des konkreten Daches und Systems klären, dann Lasten berechnen und nach Herstelleranleitung montieren.