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PV-Ausbau: Strom- und Spannungsgrenzen des Wechselrichters prüfen

09.10.2026

Eine Erweiterungsreserve lässt sich nicht allein aus der Wechselrichterleistung ableiten. Zusätzlich müssen die konkreten Grenzwerte pro String und MPP-Tracker sowie die Stringspannung geprüft werden.

Die kWp-Reserve ist nur der Anfang

Beim PV-Ausbau genügt es nicht, die Leistung der neuen Module zur vorhandenen Generatorleistung zu addieren und mit der maximal erlaubten PV-Leistung des Wechselrichters zu vergleichen. Für den Anschluss sind auch die elektrischen Grenzen der einzelnen Strings und MPP-Tracker relevant. Ein Datenblattwert zum maximalen Eingangsstrom bezeichnet die Aufnahmekapazität des Wechselrichters; er ist keine pauschale Zusage, dass jeder zusätzliche String an irgendeinen freien DC-Anschluss passt. Wie konkret solche Vorgaben ausfallen, zeigt die SMA-Tabelle für STP 50-80 und STP 60-80: Dort stehen bis zu 40 A je MPP-Tracker und 22 A je String. Das sind modellbezogene Angaben und kein allgemeiner Grenzwert für PV-Wechselrichter. Vor einer Erweiterung deshalb zuerst die genaue Gerätebezeichnung und die passende Dokumentversion feststellen.

Stringstrom und Anschlussart kontrollieren

Prüfen Sie den Modulstrom und die vom Hersteller vorgegebene Stromgrenze für den jeweiligen Anschluss. Wird ein weiterer String parallel angeschlossen, kann die gemeinsame Tracker- und Leitungsbelegung zum limitierenden Faktor werden. Auch ein Y- oder T-Stecker hebt die Gerätegrenze nicht automatisch auf: Fronius warnt in der Argeno-Anleitung ausdrücklich davor, den maximalen Eingangsstrom je String bei solchen Steckern zu überschreiten. Ein sauberer Vorab-Check hält deshalb fest, welche Strings bereits wo angeschlossen sind, welche Ströme laut Moduldatenblatt anfallen und welche Anschlusskombination die Wechselrichteranleitung erlaubt. Die Grenzwerte einer Produktfamilie nicht auf ein anderes Modell übertragen.

Trackerzahl ist nicht gleich Zahl freier Buchsen

Ein MPP-Tracker regelt den Arbeitspunkt des ihm zugeordneten PV-Felds. Die Zahl der DC-Anschlüsse verrät nicht automatisch, wie viele voneinander unabhängige Tracker vorhanden sind oder welche Stringkombination möglich ist. Die Fronius-Anleitung zum Symo UL erläutert zwei getrennte DC-Eingänge als zwei unabhängige MPP-Tracker und zeigt, dass Stringanschlüsse nach der vorgesehenen Konfiguration zugeordnet werden müssen. Für ein Dach mit einer zusätzlichen Fläche lohnt es sich daher zu prüfen, ob die Erweiterung an einen eigenen Tracker kann oder sich auf einen bestehenden Tracker aufschaltet. Unterschiedliche Ausrichtungen, Modulanzahlen oder Verschattungsverhältnisse sind Anlass, die konkrete Verschaltung durch eine Fachkraft planen zu lassen, nicht einfach weitere Stecker zu belegen.

Spannungsfenster mit kalter Witterung mitdenken

Neben dem Strom muss die Spannung des geplanten Strings zum Wechselrichter passen. Ein String kann im normalen Betrieb scheinbar im Bereich liegen und bei kalter Witterung eine höhere Leerlaufspannung erreichen: Fronius weist auf den Spannungsanstieg bei fallender Temperatur und gleichbleibender Einstrahlung hin. Daher sind die Temperaturkoeffizienten der Module sowie die vom Hersteller angegebenen maximalen Eingangsspannungswerte in die Auslegung einzubeziehen. Praktisch bedeutet das: Anzahl und Typ der Module im String, Moduldatenblatt und exaktes Wechselrichterhandbuch gemeinsam prüfen. Auch den MPP-Spannungsbereich für den Betrieb nicht mit der maximal zulässigen Eingangsspannung verwechseln. Die Erweiterung ist erst dann technisch plausibel, wenn sowohl der zulässige Spannungsbereich als auch die Strom- und Leistungsgrenzen eingehalten werden.

Ein konkretes Datenblattbeispiel richtig lesen

Beim Fronius Symo 7.0-3-M nennt der Hersteller zwei MPP-Tracker mit jeweils 16 A maximalem Eingangsstrom. Das Beispiel zeigt, weshalb die Kennzahlen im Zusammenhang gelesen werden müssen: Die mögliche Gesamtleistung sagt nicht allein aus, wie viel Strom ein einzelner Tracker aufnehmen kann oder welche Stringbelegung dafür vorgesehen ist. Diese Zahlen gelten für genau dieses Modell und sind nicht auf einen anderen Wechselrichter übertragbar. Für die eigene Anlage sollte eine Elektrofachkraft den Bestand aufnehmen, neue Strings rechnerisch auslegen und die Belegung gegen Handbuch sowie Hersteller-Auslegungstool prüfen. So wird aus einer nominellen Reserve eine nachvollziehbar geprüfte Erweiterungsmöglichkeit.

Quellen

  1. SMA Solar Technology AG
  2. SMA Solar Technology AG
  3. Fronius Solar Energy
  4. Fronius Solar Energy
  5. Fronius Solar Energy