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PV mit oder ohne Kredit: Zahlungsströme fair vergleichen

09.10.2026

Ob sich ein PV-Kredit rechnet, zeigt nicht die Monatsrate allein: Entscheidend sind Investition, laufender Stromnutzen, Kreditkosten und der betrachtete Zeitraum. Ein sauberer Vergleich stellt alle Zahlungsströme auf dieselbe Zeitachse und prüft Annahmen zu Eigenverbrauch und Einspeisung.

Rate und Stromnutzen getrennt rechnen

Die Kreditrate ist nicht mit der heutigen Stromrechnung gleichzusetzen. Die Rate enthält Tilgung und Zins; der PV-Nutzen entsteht aus vermiedenem Netzbezug und möglichen Erlösen für eingespeisten Strom. Legen Sie für Barzahlung und Finanzierung dieselbe Zeitachse und dieselben Anlagenannahmen an. Jahr 0 enthält den Kaufpreis, Nebenkosten und gegebenenfalls den Eigenkapitaleinsatz. In den Folgejahren stehen Stromkostenvorteil und Einspeiseerlös den Betriebskosten sowie – beim Kredit – Zins und Tilgung gegenüber. Ein Kredit senkt den anfänglichen Kapitalabfluss, beseitigt die Investitionskosten aber nicht: Er verteilt sie auf Rückzahlungen und ergänzt Zinskosten. Selbst eine mögliche Vollfinanzierung sagt nichts darüber aus, ob der konkrete Kredit günstig ist. Die KfW weist darauf hin, dass die Bank den individuellen Zinssatz anhand der wirtschaftlichen Verhältnisse und Sicherheiten bestimmt.

Beispielrechnung mit transparenten Annahmen

Nur zur Illustration: Angenommen, eine Anlage kostet 18.000 Euro und bringt laut eigener Planung jährlich 2.100 Euro an Stromkostenvorteil und Einspeiseerlös zusammen. Betriebskosten, Ertragsänderungen und Abzinsung bleiben zunächst außen vor. Bei Barzahlung fließen in Jahr 0 18.000 Euro ab; in zehn Jahren kommen insgesamt 21.000 Euro angenommenen Nutzen zurück. Der nominale Saldo dieser vereinfachten Betrachtung beträgt 3.000 Euro. Nehmen wir stattdessen einen vollständig getilgten Kredit über 18.000 Euro mit zehn Jahren Laufzeit und beispielhaft 4,5 Prozent effektivem Jahreszins an. Eine monatliche Annuität liegt überschlägig bei rund 187 Euro; 120 Raten ergeben etwa 22.440 Euro. Gegen dieselben angenommenen 21.000 Euro Nutzen bleibt nominal ein negativer Saldo von rund 1.440 Euro. Die Differenz zum Barzahlungsfall entspricht in diesem Modell den Finanzierungskosten. Keine der Zahlen ist ein Marktangebot oder eine Renditeprognose; konkrete Konditionen und Erträge können abweichen.

Eigenkapital als Anfangsauszahlung erfassen

Eigenkapital ist kein kostenloser Vorteil, sondern ein Zahlungsstrom am Anfang. Bei Teilfinanzierung sinken dafür Kreditsumme, Zinsen und meist auch die Rate. Vergleichen Sie Vollfinanzierung und etwa 30 Prozent Eigenkapital daher nicht anhand der Monatsrate allein: Addieren Sie im Eigenkapitalfall die Einmalzahlung zu allen Raten und stellen Sie beim Vollkredit die höheren Raten daneben. In beiden Fällen muss derselbe PV-Nutzen auf der Ertragsseite stehen. Für lange Laufzeiten zählt auch der Zeitwert des Geldes. Diskontieren Sie jährliche Nettozahlungen mit einer einheitlichen, ausdrücklich gewählten Kalkulationsrate. Ohne Abzinsung werden ein Euro heute und ein Euro in zehn Jahren gleich behandelt. Wer eigenes Geld alternativ anlegen oder für Rücklagen behalten könnte, sollte diese Alternative offen benennen, statt Eigenkapital gleichzeitig als kostenlos und als sichere Rendite zu rechnen.

Eigenverbrauch und Einspeisung nicht vermischen

Trennen Sie selbst verbrauchten Solarstrom vom Überschuss. Eigenverbrauch vermeidet Netzbezug, eingespeiste Kilowattstunden erhalten einen eigenen Erlösansatz. Der EEG-Fördersatz hängt laut Bundesnetzagentur vom Zeitpunkt der Inbetriebnahme und der installierten Leistung ab. Verwenden Sie daher den für das konkrete Vorhaben gültigen Wert und verlängern Sie nicht unbesehen einen aktuellen Satz auf alle künftigen Jahre. Rechnen Sie mindestens drei Szenarien – vorsichtig, mittig und günstig. Variieren Sie vor allem Eigenverbrauchsquote, Strompreisentwicklung und Einspeiseerlös. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, geschätzte Eigenverbrauchsquote und Strompreissteigerung in der Wirtschaftlichkeitsrechnung zu überprüfen. Setzen Sie Wartung, mögliche Reparaturen und Ersatzinvestitionen als Kosten an. Die Annahmen müssen in beiden Finanzierungsvarianten gleich bleiben.

Kreditangebot auf Gesamtkosten prüfen

Vergleichen Sie Effektivzins, Laufzeit, Zinsbindung, tilgungsfreie Zeit, Gebühren und Sondertilgungsbedingungen. Prüfen Sie, ob eine Anschlussfinanzierung nötig werden kann, bevor der Kredit vollständig zurückgezahlt ist. Eine niedrige Anfangsrate kann täuschen, wenn die Tilgung später einsetzt oder die Zinsbindung früher endet. Beim KfW-Kredit 270 wird der individuelle Zinssatz über den Finanzierungspartner festgelegt; den Antrag müssen Sie vor Beginn des Vorhabens stellen. Konditionen ändern sich, daher zählt das konkrete Angebot statt eines pauschalen Programmzinses.

Entscheidung für Liquidität und Risiko

Ein Kredit kann passen, wenn Liquidität geschont werden soll und die Rate auch im vorsichtigen Ertragsszenario tragbar bleibt. Eigenkapital kann Zinslast und Rate senken, bindet aber Geld, das dann nicht für Rücklagen oder andere Zwecke verfügbar ist. Betrachten Sie deshalb sowohl den abgezinsten Gesamtsaldo über den Anlagenzeitraum als auch den jährlichen Liquiditätsverlauf – besonders in den ersten Kreditjahren. Notieren Sie Preis und enthaltene Leistungen, Eigenverbrauch, Einspeisung, Betriebskosten, Laufzeit und Zins als explizite Annahmen. Versprochene Einsparungen sind keine sicheren Einnahmen. Auch bei Miet- oder Pachtmodellen sollten Monatszahlungen, Gesamtkosten und erwartete Stromvorteile über denselben Zeitraum verglichen werden. Das Ergebnis ist nur so belastbar wie die Eingaben.

Quellen

  1. KfW
  2. Verbraucherzentrale
  3. Bundesnetzagentur