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PV-Rendite ohne Strompreissteigerung: konservativ rechnen

09.10.2026

Ein Nullwachstum beim Strom-Arbeitspreis ist ein nützlicher Stresstest: So rechnen Sie Eigenverbrauch, Einspeisung, Kosten und einfache Amortisation transparent – ohne daraus eine Renditegarantie abzuleiten.

Warum ein Nullwachstum ein sinnvoller Stresstest ist

Eine PV-Rechnung wirkt schnell attraktiv, wenn sie jedes Jahr höhere Netzstrompreise unterstellt. Wer wissen möchte, ob sich die Investition auch ohne diesen Rückenwind trägt, setzt den Arbeitspreis für bezogenen Strom im Modell über den gesamten Betrachtungszeitraum unverändert an. Die Verbraucherzentrale rät, auch die langfristigen Annahmen einer Wirtschaftlichkeitsrechnung kritisch zu prüfen ([Verbraucherzentrale: Solaranlage mieten – eine Alternative zum Kauf?](https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/erneuerbare-energien/photovoltaik-solaranlage-mieten-eine-alternative-zum-kauf-71086)). Das ist ein Stresstest, keine Prognose: Tatsächliche Tarife können sich ändern. Wichtig ist, dass Sie im Vergleich verschiedener Angebote dieselbe Annahme und denselben Zeitraum verwenden.

Zuerst die Zahlungsströme trennen

Für eine nachvollziehbare Überschlagsrechnung genügen zunächst vier Größen: Anschaffungskosten, jährliche PV-Erzeugung, davon selbst genutzter Strom sowie Einspeisung. Der selbst verbrauchte Anteil spart Netzbezug; für den Überschuss zählt die angesetzte Einspeisevergütung. Als einfache Jahresbilanz gilt: Eigenverbrauch in kWh × vermiedener Arbeitspreis + eingespeiste kWh × Vergütung – laufende Kosten. Verwenden Sie beim Strombezug den Arbeitspreis je Kilowattstunde, nicht den Grundpreis, der in der Regel auch ohne PV anfällt. Halten Sie beide Preisannahmen separat fest und verändern Sie in einem Szenario nur den Strompreis. So ist erkennbar, ob ein gutes Ergebnis auf dem Eigenverbrauch oder auf einer angenommenen Preissteigerung beruht. Die Höhe des Gesamtpreises verdient besonderes Augenmerk; auch die Verbraucherzentrale weist auf den Zusammenhang zwischen Anlagenleistung und Preis hin ([Was kostet eine Photovoltaikanlage?](https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/erneuerbare-energien/was-kostet-eine-photovoltaikanlage-49155)).

Ein ausdrücklich hypothetisches Rechenbeispiel

Angenommen, eine Anlage kostet 18.000 Euro, erzeugt pro Jahr 8.000 kWh, und davon werden 2.400 kWh im Haus genutzt. Als reine Modellwerte setzen wir einen konstanten Arbeitspreis von 32 Cent/kWh, eine Vergütung von 8 Cent/kWh für die übrigen 5.600 kWh sowie 250 Euro jährliche Betriebskosten an. Das ergibt 2.400 × 0,32 Euro = 768 Euro vermiedenen Netzbezug und 5.600 × 0,08 Euro = 448 Euro Einspeiseerlös. Nach Abzug der angenommenen Betriebskosten bleiben 966 Euro pro Jahr. Die einfache Division von 18.000 durch 966 ergibt rund 18,6 Jahre bis zum rechnerischen Rückfluss der Anfangsinvestition. Das ist keine Renditeberechnung und keine Aussage zu marktüblichen Preisen oder Vergütungssätzen: Sämtliche Zahlen in diesem Absatz sind illustrative Eingaben, die Sie durch Ihre Angebots- und Tarifwerte ersetzen müssen. Für die Plausibilität der Nutzungsannahmen sind Jahres- und Lastprofile entscheidend; die HTW Berlin stellt ihr Solarstromer-Tool ausdrücklich als simulationsbasiert vor ([HTW Berlin: Solarstromer-Tool](https://solar.htw-berlin.de/rechner/solarstromer-tool/)).

Eigenverbrauch nicht passend rechnen

Die Eigenverbrauchsmenge ist keine frei wählbare Renditeschraube. Sie hängt im konkreten Haushalt davon ab, wann Strom erzeugt und verbraucht wird. Ein Jahreswert allein zeigt diese zeitliche Überlappung nur begrenzt. Die HTW Berlin nennt reale Wetterdaten und elektrische Lastprofile als Grundlagen der Simulation ihres Solarstromer-Tools ([HTW Berlin: Solarstromer-Tool](https://solar.htw-berlin.de/rechner/solarstromer-tool/)). Für die eigene Rechnung heißt das: Nehmen Sie die plausibel begründete Eigenverbrauchsmenge aus einem passenden Angebot oder einer Simulation, statt eine hohe Quote einfach einzutragen. Prüfen Sie außerdem Varianten mit geringerem Eigenverbrauch – etwa wenn tagsüber wenig Last anfällt. Speicher, Ausrichtung und Nutzungsverhalten können das Ergebnis beeinflussen; deren Kosten und Verluste gehören dann ebenfalls ins Modell.

Anschaffungskosten und Laufzeit offenlegen

Vergleichen Sie nicht nur den Preis je kWp. Die Verbraucherzentrale rät zum Vergleich mehrerer Angebote; die Preise sollten dabei als vollständige Gesamtkosten betrachtet werden ([Verbraucherzentrale: Was kostet eine Photovoltaikanlage?](https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/erneuerbare-energien/was-kostet-eine-photovoltaikanlage-49155)). Rechnen Sie mit dem Gesamtpreis des vollständigen Angebots und listen Sie mögliche Zusatzposten separat auf, etwa Speicher, Zählerarbeiten, Wartung oder Versicherung. Der Betrachtungszeitraum muss zur Frage passen: Zeigen Sie zuerst die Bilanz innerhalb des Zeitraums, in dem Sie Kosten tatsächlich tragen. Ein zusätzlicher Weiterbetrieb kann als eigenes Szenario erscheinen, nicht als stillschweigende Voraussetzung dafür, dass die Rechnung aufgeht.

Was das Ergebnis aussagt – und was nicht

Die einfache Amortisationsdauer blendet den Zeitpunkt späterer Ein- und Auszahlungen, Finanzierungskosten, mögliche Reparaturen und Veränderungen des Ertrags aus. Sie ist daher nur ein erster Vergleichswert. Für eine echte Renditebetrachtung erfassen Sie alle Zahlungsströme jährlich und machen Annahmen zu Degradation, Betriebskosten, Finanzierung und Ersatzteilen sichtbar. Rechnen Sie mindestens drei Fälle: den konstanten Arbeitspreis als konservativen Fall, einen niedrigeren Eigenverbrauch als Belastungsprobe und ein alternatives Preisszenario. Wenn sich die Entscheidung nur bei kräftig steigenden Strompreisen oder optimistischen Eigenverbrauchswerten rechnet, ist das eine relevante Unsicherheit – kein Beleg für sicheren Gewinn. Die Zahlen sollten die Entscheidung unterstützen, nicht ein Ergebnis versprechen.

Quellen

  1. Verbraucherzentrale
  2. HTW Berlin
  3. Verbraucherzentrale