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PV-Stringausfall: Vergleichsdaten für den Fachbetrieb sammeln

09.10.2026

Ein schwacher String ist zunächst ein Befund, keine Diagnose. Mit passend gruppierten Vergleichsstrings, dokumentierten Umgebungsbedingungen und einer gezielten Kennlinienmessung kann der Fachbetrieb die Abweichung besser eingrenzen.

Erst den Befund sauber eingrenzen

Wenn ein PV-String auffällig wenig beiträgt, ist „Stringausfall“ zunächst eine Arbeitsbeschreibung, keine Ursachenfeststellung. Ein Monitoringalarm oder ein niedriger angezeigter Strom sagt für sich genommen nicht, ob ein Anschluss unterbrochen ist, Module verschattet sind oder ein Betriebszustand den Vergleich verzerrt. Für die erste Einschätzung sollten Betreiber Zeitpunkt, Alarmtext beziehungsweise Ereigniscode, Wechselrichter und betroffenen Eingang sichern. Dazu gehören außerdem Verlauf und Dauer: trat die Abweichung einmal auf, nur morgens oder bei wechselnder Bewölkung, oder bleibt sie bei vergleichbarem Betrieb bestehen? SMA beschreibt die String-Ausfallerkennung als Vergleich von Eingängen und verlangt, die Empfindlichkeit, Toleranz und Zeitdauer bis zur Meldung zu setzen. Das macht deutlich, warum ein einzelner Alarm nicht automatisch ein Bauteildefekt ist. Die Erkennung lässt sich außerdem nur sinnvoll interpretieren, wenn die Vergleichsgruppe passt. Ein String auf einer anderen Dachseite, mit anderer Neigung oder einem anderen Modultyp ist kein neutraler Maßstab.

Vergleichsstrings auswählen – nicht einfach mitteln

Vor dem Vergleich die Anlagendokumentation zur Hand nehmen: Stringplan, Modulzahl je String, Modultyp, Zuordnung zu Wechselrichter und MPP-Tracker sowie Ausrichtung und Neigung. SMA nennt diese Eigenschaften ausdrücklich als Angaben einer Stringkonfiguration. Sie helfen, gleichartige Eingänge zusammenzufassen, anstatt Ost- und Westseite oder verschieden aufgebaute Stränge in einen gemeinsamen Referenzwert zu zwingen. Praktisch heißt das: Verglichen wird ein auffälliger String zuerst mit den parallel betriebenen, möglichst ähnlich konfigurierten Strings am gleichen Tracker beziehungsweise in derselben Überwachungsgruppe. Falls keine ausreichend ähnliche Vergleichsgruppe existiert, sollte der Fachbetrieb das vermerken und nicht aus einer unpassenden Gruppe einen vermeintlich präzisen Sollwert ableiten. Das ist besonders wichtig bei Teilverschattung, unterschiedlichen Modultypen oder einer nachträglichen Anlagenänderung.

Messprotokoll mit Umgebungsbedingungen

Ein brauchbares Protokoll hält mindestens fest: Datum und Uhrzeit, betroffenen Wechselrichter/Tracker/Eingang, Alarm und dessen Zeitverlauf, verfügbare Stringströme und -spannungen, Betriebszustand sowie Wetter- und Verschattungssituation. Hinzu kommen die Referenzstrings und der Grund, weshalb sie als vergleichbar gelten. Wenn Daten aus dem Portal exportiert werden, sollte die Zeitauflösung und der betrachtete Zeitraum mitgeliefert werden; ein Tagesertrag allein zeigt nicht, wann die Abweichung einsetzte. Diese Kontextdaten sind nicht Beiwerk: SMA empfiehlt, Abweichungen von früheren I‑V-Kurven nur mit Messungen unter ähnlichen Umgebungsbedingungen zu vergleichen. Auch die SMA-Dokumentation zur Ausfallerkennung warnt vor häufiger auftretenden Meldungen bei sehr unterschiedlichen Ausrichtungen und ungünstiger Einstrahlung. Deshalb gehören wechselnde Bewölkung und zeitweilige Schatten in die Notiz, nicht in eine vorschnelle Fehlerdiagnose.

Kennlinienmessung als nächster Diagnoseschritt

Bleibt die Abweichung bestehen, kann eine I‑V-Diagnose dem Fachbetrieb mehr Aussagekraft liefern als ein einzelner Momentanwert. Dabei wird der String an verschiedenen Arbeitspunkten betrieben und der jeweilige Strom bei unterschiedlichen Spannungen erfasst. Die Kurve ist durch Leerlaufspannung und Kurzschlussstrom begrenzt. Je nach Wechselrichter kann die Diagnose pro MPP-Tracker als Grafik und Tabelle angezeigt und zur Dokumentation als CSV oder PDF exportiert werden. Für die Übergabe sollte der Betrieb nicht nur einen Screenshot, sondern möglichst die Datei der Messung samt Anlagenzuordnung und Umgebungsbedingungen erhalten. Eine Kurve macht Abweichungen sichtbar, benennt aber nicht automatisch das defekte Modul oder die konkrete Fehlerstelle. Die SMA-Unterlagen knüpfen die Verfügbarkeit zudem an Wechselrichtertyp und Firmware. Der Fachbetrieb muss daher zuerst prüfen, ob die Funktion für das konkrete Gerät verfügbar ist und wie dessen Hersteller die Messung vorsieht.

Sicher übergeben statt selbst am DC-Kreis arbeiten

Betreiber können gefahrlos die verfügbaren Monitoringdaten, Fotos aus sicherer Entfernung, Anlagenunterlagen und Zeitangaben sammeln. Arbeiten an Steckverbindern, Messungen an spannungsführenden DC-Leitungen oder das Umstecken von Strings gehören nicht in diese Datensammlung durch Laien. Die Messung und Interpretation sollte der qualifizierte Fachbetrieb mit geeigneter Ausrüstung und dem gerätespezifischen Verfahren übernehmen. Eine gute Fehleranfrage ist knapp und reproduzierbar: „Welcher Eingang wich wann ab, mit welchen passenden Vergleichsstrings, bei welchem Betriebs- und Wetterzustand, und welche Messdatei liegt bei?“ Damit erhält der Fachbetrieb einen überprüfbaren Befund statt einer vorweggenommenen Ursache. Bei nicht vergleichbarer Ausrichtung, schnell wechselnder Einstrahlung oder fehlender Stringmessung bleibt die Aussage begrenzt; in solchen Fällen sind eine erneute Messung unter geeigneteren Bedingungen oder weitergehende Prüfungen nötig.

Quellen

  1. SMA Solar Technology AG
  2. SMA Solar Technology AG
  3. SMA Solar Technology AG