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PV-String ausgefallen: Minderertrag und Reparaturpriorität berechnen

09.10.2026

Ein ausgefallener String bedeutet nicht automatisch einen festen Eurobetrag pro Tag. Entscheidend sind die unter den tatsächlichen Bedingungen entgangenen Kilowattstunden, deren Wert für den Betreiber und die voraussichtliche Dauer bis zur Behebung. Ein nachvollziehbarer Vergleich mit benachbarten Strings hilft, den Verlust einzugrenzen; die Rechnung bleibt eine Schätzung, bis Ursache und Umfang geprüft sind.

Vom Alarm zum plausiblen Stringverdacht

Ein Alarm „String ohne Leistung“ ist noch keine Rechnung. Prüfen Sie zuerst, ob ein abrupter Rückgang der Anlagenleistung in einer Größenordnung erkennbar ist, die ungefähr der Leistung eines Strings entspricht. Das ist ein mögliches Muster zur Fehlersuche, aber kein Beweis: Messfehler, Verschattung, Wechselrichterprobleme oder eine andere Störung können ebenfalls zu Minderertrag führen. (IEA PVPS Task 13) Vergleichen Sie möglichst dieselben Zeitfenster mit Strings oder Wechselrichtern ähnlicher Ausrichtung und Verschattung. Schauen Sie auf Messwerte und Wechselrichterprotokolle; dokumentieren Sie, wann die Abweichung begann und ob sie vollständig oder nur teilweise ist. Da Mindererträge an Modulen, deren Verschaltung oder am Wechselrichter entstehen können, lässt sich die Ursache nicht aus einer einzelnen Zahl sicher ableiten. (Fraunhofer ISE) Die folgende Rechnung ist eine vorläufige Entscheidungshilfe, keine elektrische Diagnose. Arbeiten an DC-Verbindungen und die Fehlerbestätigung gehören in fachkundige Hände.

Minderertrag statt Nennleistung berechnen

Für den Verlust zählt nicht die Spitzenleistung des Strings, sondern die Energie, die er während der Ausfallzeit unter den jeweiligen Bedingungen voraussichtlich erzeugt hätte. Eine Näherung lautet: **Minderertrag (kWh) = erwartete Stringproduktion je Zeitintervall − gemessene Stringproduktion; positive Differenzen über die Ausfallzeit addieren.** Nutzen Sie bevorzugt historische Daten des betroffenen Strings oder gut vergleichbarer Strings am selben Standort. Vergleichen Sie kurze Intervalle und ähnliche Tageszeiten, statt die Ausfallzeit mit einem pauschalen Ertrag je Tag zu bewerten. Wenn eigene Daten fehlen, können Monatsmittel eine erste Orientierung geben, aber nicht die exakte Produktion an einem konkreten Tag darstellen. PVGIS stellt solche monatlichen Durchschnittswerte bereit. (JRC/PVGIS) Wichtig ist, den Ausfallzeitraum realistisch festzulegen: Eine Störung, die am Nachmittag beginnt, darf nicht so behandelt werden, als hätte der String schon seit Sonnenaufgang nichts produziert.

Ertragswert in Euro: Nutzung berücksichtigen

Multiplizieren Sie die geschätzten verlorenen Kilowattstunden mit dem passenden Wert je Kilowattstunde. Bei eingespeistem Strom ist das der relevante Erlös beziehungsweise die Vergütung. Bei selbst verbrauchtem Strom zählt der Wert des tatsächlich ersetzten Netzbezugs. Wenn zur fraglichen Zeit kein zusätzlicher Solarstrom genutzt worden wäre, wäre der volle Haushaltsstrompreis als Verlust zu hoch angesetzt. **Ertragsverlust (€) ≈ verlorene kWh × passender Wert je kWh.** Bei gemischter Nutzung sollten Betreiber Einspeisung und Eigenverbrauch getrennt bewerten, damit eine Kilowattstunde nicht doppelt gezählt wird. Reparaturkosten sind eine eigene Position; sie werden nicht vom Brutto-Ertragsverlust abgezogen, sondern anschließend mit dem erwarteten Nutzen der Reparatur verglichen. Beispiel mit frei gesetzten Annahmen: Ein Vergleichswert von 28 kWh pro Tag, fünf volle Ausfalltage und ein angesetzter Ertragswert von 0,30 Euro/kWh ergeben 28 × 5 = 140 kWh und rechnerisch 42 Euro. Das ist keine typische Ertrags- oder Preisangabe, sondern nur ein Rechenbeispiel. Ändern sich Wetter, Verschattung, Ausfallgrad oder Wert je kWh, ändert sich das Ergebnis. Jahres- oder Monatsmittel sind Durchschnittswerte und ersetzen keine passende Zeitreihenmessung. (JRC/PVGIS)

Reparaturpriorität sachlich festlegen

Für die wirtschaftliche Priorität hilft der Vergleich des erwarteten Verlusts bis zur Behebung mit Anfahrt, Fehlersuche und Reparaturaufwand. Eine einfache Kennzahl ist: **voraussichtlicher Nutzen einer schnellen Behebung = erwarteter Minderertrag bis zur Behebung × Wert je kWh.** Ein mutmaßlicher Ausfall während ertragsstarker Wochen kann deshalb dringender sein als eine gleich große Abweichung zu einer ertragsarmen Zeit. Das ist eine Ableitung aus dem zeitabhängigen Ertrag und der Ausfalldauer, keine Garantie, dass sich ein Einsatz finanziell rechnet. Fraunhofer ISE nennt den Vergleich aktueller und historischer Performance-Ratio-Werte als eine Methode der Überwachung; im Alltag kann ein geeigneter Vergleich helfen, Ausreißer von normalen Schwankungen abzugrenzen. (Fraunhofer ISE) Sicherheitsmeldungen haben unabhängig vom geschätzten Euroverlust Vorrang. Halten Sie Alarmzeit, betroffene Eingänge, Vergleichswerte, Ausfallannahme und angesetzten kWh-Wert fest. Liegt keine gute Vergleichsreihe vor, weisen Sie das Ergebnis als Bandbreite aus und lassen Sie zunächst die technische Ursache eingrenzen.

Quellen

  1. Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE
  2. IEA Photovoltaic Power Systems Programme (PVPS), Task 13
  3. Joint Research Centre der Europäischen Kommission (PVGIS)