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Solarstrom für die Fahrzeugflotte: Standzeiten und Laden planen

09.10.2026

Wer den Fuhrpark mit Solarstrom laden will, sollte zunächst Abfahrtszeiten, Rückkehrfenster und Energiebedarf je Fahrzeug erfassen. Erst daraus lässt sich ableiten, welche Ladevorgänge tagsüber verschiebbar sind, wo Prioritäten nötig werden und ob das Lastmanagement zur PV-Erzeugung und zum Netzanschluss passt.

Nicht die Ladeleistung zuerst betrachten

Für eine betriebliche Fahrzeugflotte ist nicht allein entscheidend, wie viele Kilowattstunden die PV-Anlage am Tag erzeugt. Wichtig ist, wann die Fahrzeuge tatsächlich am Standort stehen und wann sie wieder gebraucht werden. Eine Fraunhofer-Studie hält fest, dass die Standzeit von Flottenfahrzeugen in der Regel wesentlich länger ist als die Ladezeit. Das eröffnet Spielraum: Der Ladevorgang muss nicht zwingend sofort nach der Rückkehr starten. Er kann innerhalb des verfügbaren Zeitfensters so gelegt werden, dass Solarstrom genutzt wird, ohne die nächste Abfahrt zu gefährden. Dafür sollten Betriebe je Fahrzeug mindestens Rückkehr, geplante Abfahrt, Tourdistanz oder erwarteten Energiebedarf sowie den gewünschten Ladezustand zur Abfahrt dokumentieren. Entscheidend sind reale Wochenprofile statt einer einzigen Durchschnittszahl: Außendienst, Lieferverkehr, Schichtbetrieb und Wochenenden erzeugen unterschiedliche Muster. Auch Ausnahmen – etwa ungeplante Zusatzfahrten – gehören in die Planung.

Ladefenster und Prioritäten festlegen

Ein einfacher Ablauf beginnt mit einer Rangfolge. Zuerst erhalten Fahrzeuge mit naher Abfahrt und hohem erwarteten Energiebedarf ein verbindliches Ladeziel. Fahrzeuge, die bis zum nächsten Einsatz noch lange stehen, können nachrangig laden oder ihre Ladeleistung zeitlich variieren. Damit wird die Standzeit zum Organisationsinstrument und nicht bloß zur Parkdauer. Ein hypothetisches Beispiel: Ein Betrieb stellt fest, dass acht Fahrzeuge mittags am Standort zurückkehren, während vier davon erst am nächsten Morgen wieder ausrücken. Die Disposition kann die morgendlichen Fahrzeuge mit einer Mindestenergiemenge priorisieren und übrige Ladevorgänge in das sonnige Mittagsfenster verschieben. Das ist keine pauschale Vorgabe für Ladeleistung oder Batteriegröße: Tourlängen, Fahrzeugverbrauch, Ladegrenzen und tatsächliche Abfahrten müssen mit betrieblichen Daten geprüft werden. Der Fraunhofer-IFAM-Rechner beschreibt optimiertes Laden als zeitliches Verschieben, um den Eigenverbrauch zu erhöhen und Lastspitzen zu senken. Eine solche Steuerung braucht daher klare Regeln, welche Abfahrtsanforderung Vorrang hat, und Daten, mit denen sich Ladebedarf und Verfügbarkeit verlässlich abbilden lassen.

PV-Erzeugung, Ladepunkte und Netzanschluss zusammendenken

Solarstrom ist nicht automatisch verfügbar, wenn ein Fahrzeug laden muss. Deshalb sollte die Ladeorganisation PV-Prognose und betrieblichen Energiebedarf mit dem Netzanschluss zusammenführen. Im dena-Fallbeispiel eines Speditionshofs gehören eine PV-Anlage, Speicher und Ladepunkte zur Standortlösung; das dort beschriebene Lademanagement überwacht Energieströme und passt Ladevorgänge dynamisch an Strompreise und PV-Erzeugung an, um Lastspitzen zu vermeiden. Der genannte Autarkiegrad von etwa 20 Prozent ist ein Wert dieses konkreten Standorts, kein allgemeiner Richtwert für andere Fuhrparks. Für die eigene Auswertung helfen drei Fragen: Wie viel Solarstrom fällt während der belegten Standzeiten an? Welche Fahrzeuge müssen vor einem bestimmten Zeitpunkt eine Mindestenergiemenge erreichen? Und wie verteilen sich die übrigen Ladevorgänge, wenn nicht alle Ladepunkte gleichzeitig volle Leistung liefern können? Darauf aufbauend kann der Betrieb prüfen, ob zeitversetztes Laden genügt oder ob Speicher, weitere Ladepunkte oder ein stärkerer Netzanschluss überhaupt in Betracht kommen. Die Auslegung folgt aus Touren, Stromprofil und Standort – nicht aus einem pauschalen Verhältnis von Fahrzeugen zu Ladepunkten.

Mit Messdaten prüfen und Grenzen einplanen

Vor einer Investition sollte ein Betrieb mindestens einige repräsentative Wochen auswerten: Ankunfts- und Abfahrtszeiten, Energiebedarf, Ladeleistung und verfügbare PV-Erzeugung. Daraus lässt sich ein Ladeplan als Simulation mit unterschiedlichen Szenarien vergleichen – etwa normaler Arbeitstag, besonders frühe Abfahrt und geringe Solarproduktion. Danach sollte die Organisation prüfen, ob die festgelegten Abfahrtsreserven auch bei kurzfristigen Änderungen eingehalten werden. Der Fraunhofer-IFAM-Rechner kann eine erste Orientierung zu Fahrzeugen, Tourprofilen, PV-Anlage, Speicher und Netzanschluss liefern. Seine Ergebnisse werden als unverbindlicher Anhaltspunkt bezeichnet und sind kein Ersatz für die operative Planung oder eine alleinige Investitionsentscheidung. Zudem gilt: Ein Modell mit bestimmten Fahrzeug- und Ladeinfrastrukturannahmen lässt sich nicht ohne Weiteres auf andere Fahrzeugtypen übertragen. Praktisch belastbar wird das Konzept erst, wenn die angenommenen Touren und Ladeprofile mit den eigenen Betriebsdaten abgeglichen und die Steuerung im Alltag überwacht werden.

Quellen

  1. Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI
  2. Deutsche Energie-Agentur (dena)
  3. Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFAM