Solarstrom in der Kfz-Werkstatt: Maschinenlasten und Ladeplätze erfassen
09.10.2026
Für die Auslegung einer PV-Anlage reicht die Jahresrechnung allein nicht. Wer Maschinen, Hebebühnen und Ladeplätze nach Leistung, Laufzeit und Einsatzzeit ordnet, erkennt, welche Verbraucher tagsüber gleichzeitig laufen und wo flexible Ladevorgänge zum Solarangebot passen könnten. Die Erfassung sollte mit einer Prüfung des Lastgangs und einer sicheren Installation zusammengehen.
Erst den Betrieb abbilden, dann die PV-Leistung planen
Eine Jahresstrommenge sagt, wie viel Energie ein Betrieb insgesamt bezieht, aber nicht, wann sie gebraucht wird. Für die Solarplanung ist deshalb ein einfaches Anlagen- und Verbraucherregister ein sinnvoller Start: Hebebühnen, Kompressor, Reifen- und Diagnosegeräte, Beleuchtung, Büroverbrauch sowie Ladepunkte kommen als eigene Positionen hinein. Notieren Sie je Position Nennleistung, typische Betriebsstunden, Arbeitstage und Nutzungsfenster. Die Rechnung Leistung × Laufzeit ergibt eine erste Schätzung; sie ist keine Messung und kann bei wechselnder Auslastung oder häufigem Leerlauf danebenliegen. Das UBA empfiehlt, die Strommengen in kWh im Blick zu behalten und nennt Leistung und Laufstunden als erste Abschätzung. So bleiben Energieverbrauch und kurzzeitige elektrische Belastung unterscheidbar. Markieren Sie außerdem, welche Geräte regelmäßig gleichzeitig laufen. Ein Kompressor, der während der Mittagsspitze nachlädt, ist anders zu bewerten als ein Gerät mit kurzem, seltenem Einsatz. Für einen ersten Überblick genügt eine Tabelle; die Einschätzung wird belastbarer, wenn auffällige Verbraucher zeitweise separat gemessen und die Schätzwerte anschließend abgeglichen werden. Ermitteln Sie wesentliche Verbraucher und lassen Sie auffällige Positionen über mehrere repräsentative Betriebstage prüfen.
Maschinenlast und Hebebühne nicht nur nach Typenschild bewerten
Bei jeder Maschine gehören zwei Fragen zusammen: Welche Leistung ist angeschlossen, und wie oft beziehungsweise wie lange wird sie tatsächlich genutzt? Für die Werkstatt kann die Erfassung etwa die Phasen „Fahrzeugannahme“, „Reparatur“, „Reifenservice“ und „Feierabend“ unterscheiden. Das ist hilfreicher als ein einziger Durchschnittswert, wenn Geräte nur in bestimmten Arbeitsgängen laufen. Prüfen Sie die auffälligen Lasten über mehrere repräsentative Betriebstage, bevor Sie aus einer Momentaufnahme Schlüsse für das ganze Jahr ziehen. Die Hebebühne ist Teil dieser Bestandsaufnahme, aber keine Einladung, an sicherheitsrelevanter Technik eigenständig Messgeräte anzuschließen oder Steuerungen zu verändern. Die DGUV betont die Betreiberpflichten für Installation, Inbetriebnahme und Wartung von Fahrzeughebebühnen. Lassen Sie erforderliche elektrische Messungen daher fachgerecht und so planen, dass Betrieb, Schutzfunktionen und vorgeschriebene Prüfungen unberührt bleiben. Energiecontrolling ersetzt keine Sicherheitsprüfung.
Ladeplätze als planbare, aber begrenzte Flexibilität
Ladeplätze unterscheiden sich von vielen Werkstattmaschinen dadurch, dass ein Ladevorgang häufig innerhalb eines Zeitfensters verschoben oder in seiner Leistung begrenzt werden kann. Erfassen Sie deshalb zusätzlich, wann Kunden-, Mitarbeiter- oder Werkstattfahrzeuge voraussichtlich angeschlossen sind, wie lange sie stehen und welche Ladeleistung gewünscht ist. Für den Abgleich mit PV-Strom kann ein Energiemanagementsystem Energieflüsse erfassen und steuern. Praktisch heißt das: erst die Zeitfenster und erforderliche Abfahrtsladung festhalten, dann prüfen, ob ein Teil des Ladevorgangs in sonnenreiche Stunden passt. Das ist eine Möglichkeit, keine Zusage, dass jedes Fahrzeug warten kann; Werkstattabläufe, Abholtermine und gewünschte Reichweite setzen klare Grenzen. Die dena führt im Maschinen- und Fahrzeugbau ein konkretes Beispiel an, bei dem eine Ost-West-Ausrichtung der Module die Erzeugung besser über den Tag verteilt und damit typische Bedarfszeiten am Morgen und Abend adressiert. Das ist ein Beispiel, keine allgemeine Ertragsgarantie für einen Werkstattstandort. Dachgeometrie, Verschattung, Netzanschluss und tatsächlicher Lastverlauf müssen vor Ort betrachtet werden.
Vom Register zur belastbaren Lastkurve
Ordnen Sie die erfassten Verbraucher dann in drei Gruppen: notwendige Grundlast, zeitlich gebundene Maschinenlast und verschiebbare Lasten wie geeignete Ladevorgänge. Stellen Sie die erwartete PV-Erzeugung der tatsächlichen Nutzung im Tagesverlauf gegenüber. Für Betriebe ab 100.000 kWh Jahresverbrauch beschreibt das UBA die Möglichkeit, viertelstündliche Leistungswerte beim Versorger anzufragen und für eine Lastganganalyse zu nutzen. Solche Daten können zeigen, wann Spitzen auftreten; sie ersetzen keine Einzelmessung, wenn ein bestimmtes Gerät als Ursache identifiziert werden soll. Ein sinnvoller nächster Schritt ist, die Verteilung für mehrere repräsentative Tage auszuwerten und mit Werkstattzeiten sowie Belegung der Ladeplätze abzugleichen. Das dena-KEDi-Dossier hebt die Anpassung des Lastgangs an die PV-Erzeugung und die Steuerung flexibler Verbraucher hervor. Entscheiden Sie erst danach, ob Steuerung, zusätzliche Messpunkte oder ein Speicher geprüft werden sollten. Ohne zeitlich passende Verbrauchsdaten wäre eine Speicher- oder Anlagengröße nur eine Annahme; die Jahres-kWh allein beantworten diese Frage nicht.