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Solarstromladen wirtschaftlich bewerten: Einspeiseverzicht und Ladeverluste mitrechnen

09.10.2026

Solarstrom fürs E-Auto ist nicht automatisch kostenlos: Wer Überschuss nicht einspeist, verzichtet auf Vergütung. Für einen fairen Vergleich zählen außerdem die Ladeverluste zwischen Wallbox und Batterie. Eine Beispielrechnung zeigt, wie sich die entgangene Vergütung auf gespeicherte Kilowattstunden umlegt und wann zusätzliche Speichertechnik mitgerechnet werden sollte.

Solarstrom hat einen Alternativwert

Wer den Solarstrom fürs Auto nutzt, kann dieselbe Kilowattstunde nicht zugleich ins Netz verkaufen. Für eine bereits vorhandene Anlage ist deshalb die entgangene Einspeisevergütung der sinnvolle Ausgangswert für den Opportunitätskosten-Vergleich – nicht automatisch null Euro und auch nicht pauschal der volle Haushaltsstrompreis. Welche Vergütung gilt, hängt vom Inbetriebnahmezeitpunkt und der Anlagenleistung ab. Als zeitgebundenes Beispiel nennt die Bundesnetzagentur für Gebäudeanlagen mit Teileinspeisung, die vom 1. August bis 31. Dezember 2026 in Betrieb gehen, 7,70 Cent je Kilowattstunde bis 10 kW Anlagenleistung; der nächste Leistungsschritt hat einen niedrigeren Satz. Bei einer bestehenden Anlage ist stattdessen ihr eigener, maßgeblicher Vergütungssatz einzusetzen.

Rechnen Sie bis zur Batterie, nicht nur bis zur Wallbox

Der Zähler an der Wallbox erfasst mehr Strom als letztlich in der Batterie gespeichert wird. Darum gehört der Ladeverlust in die Solar-Ladekosten. Die ADAC-Untersuchung fand bei 11- oder 22-kW-Wallboxladung 5,1 bis 7,0 Prozent Verlust; beim PV-Überschussladen lagen die Werte je nach Fahrzeug zwischen 8,0 und 12,8 Prozent. Das sind Messwerte bestimmter Fahrzeuge und Ladesituationen, keine Garantie für jedes Auto. Für eine erste Überschlagsrechnung kann man den Verlustanteil als Bandbreite ansetzen und später mit dem eigenen Ladezähler und Fahrzeugverbrauch präzisieren.

Ein Rechenbeispiel zum Einspeiseverzicht

Angenommen, eine geeignete Anlage könnte den zusätzlichen Überschuss sonst zu 7,70 ct/kWh einspeisen und 100 kWh werden am Ladepunkt ins Auto geleitet. Der entgangene Erlös beträgt 7,70 Euro. Bei beispielhaften 7 Prozent Ladeverlusten kommen davon rechnerisch 93 kWh in der Batterie an. Die Opportunitätskosten liegen damit bei rund 8,3 Cent je gespeicherter Kilowattstunde (7,70 Euro geteilt durch 93 kWh). Zum Vergleich sind Netzstromkosten auf derselben Basis zu rechnen: Bei 30 ct/kWh am Zähler kosten 100 kWh Netzbezug 30 Euro, entsprechend rund 32,3 Cent je gespeicherter kWh bei denselben Verlusten. Das Beispiel isoliert Energie und Verluste; es ist keine Prognose für einen Haushalt und unterstellt, dass die Solar-kWh tatsächlich hätte eingespeist werden können.

Überschuss ist nicht immer verfügbar

Ohne Speicher kann das Auto Solarstrom nur während der Erzeugung aufnehmen. Deshalb ist tagsüber laden bei Sonnenschein besonders wirksam; in der Praxis muss das Fahrzeug dann aber auch zuhause stehen. Überschussladen bedeutet außerdem nicht zwingend ausschließlich Solarstrom: Wenn Erzeugung oder Wetter nicht reichen, kann Netzstrom ergänzen. Bei jeder Rechnung daher nur die tatsächlich zusätzliche Solarenergie ansetzen, die nach dem übrigen Hausverbrauch noch übrig wäre – nicht die gesamte PV-Produktion.

Speicher und Steuerung als eigene Investitionen behandeln

Ein Batteriespeicher kann Solarstrom zeitlich verfügbar machen, ist aber kein kostenloser Bestandteil der Kilowattstunde. Wenn ein Speicher eigens für das Laden angeschafft oder vergrößert werden soll, müssen dessen zusätzliche Kosten und die Umwandlungs- beziehungsweise Speicherverluste berücksichtigt werden. Die Verbraucherzentrale betont, dass die Speicherkosten die Wirtschaftlichkeit beeinflussen und PV-Anlage sowie Speicher passend dimensioniert sein sollten. Eine intelligente Steuerung kann den Ladezeitpunkt an den aktuellen PV-Überschuss anpassen; vergleichen Sie bei einem Nachrüstangebot daher den jährlichen finanziellen Vorteil mit Anschaffung, Installation und Betrieb der Zusatztechnik.

So wird der Vergleich für den eigenen Fall brauchbar

Notieren Sie zunächst den Vergütungssatz Ihrer Anlage, den Strompreis für Netzbezug sowie die vom Ladezähler gemessene Energie und den daraus resultierenden Batteriestand beziehungsweise Fahrzeugverbrauch. Berechnen Sie dann für jeden Ladefall: entgangene Einspeisung geteilt durch die geladene Batteriemenge. Trennen Sie direkte PV-Ladung von Speicherladung und Netzergänzung. Betrachten Sie schließlich nicht nur Cent je kWh, sondern auch die Frage, ob zusätzliche Technik nötig ist und wie oft das Auto zur Solarzeit zuhause steht. Tarife, Förderung und persönliche Anlagenwerte unterscheiden sich; der Bundesnetzagentur-Wert im Beispiel gilt nur für den genannten Inbetriebnahmezeitraum und Anlagentyp.

Quellen

  1. Bundesnetzagentur
  2. Verbraucherzentrale
  3. ADAC
  4. ADAC