Spannungsfall in Solarkabeln: Warum Querschnitt und Länge zusammengehören
08.10.2026
Ein dickeres Kabel senkt den Widerstand, eine längere Strecke erhöht ihn. Wie Sie den Spannungsfall für den gesamten Stromweg einordnen – und warum eine Prozentzahl allein keine Kabeldimensionierung ersetzt.
Was im Kabel verloren geht
Ein Solarkabel ist kein idealer Leiter. Sobald Strom fließt, fällt entlang seines elektrischen Widerstands Spannung ab; zugleich wird ein Teil der elektrischen Leistung als Wärme umgesetzt. Deshalb hängen Spannungsfall und Verlustleistung zusammen, sind aber nicht dasselbe: Der Spannungsfall wird in Volt angegeben, die Verlustleistung in Watt. Für den ohmschen Anteil gilt ΔU = I × R und P_verlust = I² × R. Victron beschreibt Länge und Leiterdicke als wesentliche Einflussgrößen des Kabelwiderstands und nennt für die Wärmeverluste die Beziehung P = I²R. [Victron Energy: Wiring Unlimited – Theorie](https://www.victronenergy.com/media/pg/The_Wiring_Unlimited_book/en/theory.html)
Warum Länge und Querschnitt gemeinsam zählen
Für einen gleichmäßigen Leiter lässt sich der Widerstand näherungsweise mit R = ρ × L / A bestimmen: ρ steht für den spezifischen Widerstand des Materials, L für die Leiterlänge und A für den Querschnitt. Mehr Länge erhöht R; mehr Querschnitt verringert R. Bei einer Gleichstromverbindung muss L die Hin- und Rückleitung umfassen: Sind es 30 Meter einfache Entfernung, durchläuft der Strom im geschlossenen Stromkreis insgesamt ungefähr 60 Meter Kupferleiter. Wer nur die Entfernung vom Modul zum Wechselrichter einsetzt, unterschätzt den Leitungswiderstand. Der Ansatz gilt als vereinfachte Rechnung für den Leiter; Steckkontakte und Anschlussstellen kommen zusätzlich hinzu. Victron weist darauf hin, dass Anschlusswiderstände ebenfalls zum Gesamtwiderstand beitragen können. [Victron Energy: Wiring Unlimited – Theorie](https://www.victronenergy.com/media/pg/The_Wiring_Unlimited_book/en/theory.html)
Ein Rechenbeispiel für den Vergleich
Angenommen, eine DC-Leitung hat 30 Meter einfache Länge, besteht aus Kupfer und führt 10 Ampere. Mit ρ ≈ 0,017 Ω·mm²/m und 60 Metern Leiterweg ergibt ein 6-mm²-Leiter rund 0,17 Ω. Daraus folgen etwa 1,7 Volt Spannungsfall (10 A × 0,17 Ω) und rund 17 Watt Verlustleistung (10² × 0,17 Ω). Bei sonst gleichen Annahmen steigt der Querschnitt auf 10 mm²; der Widerstand sinkt rechnerisch auf etwa 0,102 Ω, der Spannungsfall auf 1,02 Volt und die Verlustleistung auf 10,2 Watt. Das sind Modellwerte, keine konkrete Kabelauswahl: Temperatur, tatsächlicher Leiterwerkstoff, Anschlussstellen und Verlegebedingungen sind darin nicht vollständig abgebildet. Der Vergleich zeigt den Hebel von A, nicht die Zulässigkeit einer Installation.
Volt in Prozent setzen – aber nicht blind übernehmen
Ein Spannungsfall lässt sich erst im Verhältnis zur Betriebsspannung sinnvoll vergleichen: 1,7 V entsprechen bei 400 V etwa 0,43 Prozent, bei 40 V dagegen 4,25 Prozent. Derselbe Leitungsverlust wirkt also in einem Niederspannungssystem relativ deutlich stärker. Herstellerangaben sind an ihren Anwendungsfall gebunden: Victron empfiehlt für die beschriebenen DC-Ladegeräte höchstens 3 Prozent bei maximalem normalen Betriebsstrom. SMA nennt für AC-Leiter zwischen Wechselrichter und Netzverknüpfungspunkt maximal 1 Prozent der Nennspannung als Auslegungsziel, um unter anderem übermäßige Verluste und Überspannungsauslösungen zu vermeiden. Das sind keine universellen Grenzwerte für jede PV-DC-Leitung und ersetzen weder geltende Regeln noch Gerätevorgaben. [Victron Energy: Blue Smart IP22 Charger – Installation](https://www.victronenergy.com/media/pg/Blue_Smart_IP22_Charger_120V_manual/en/installation---bsc---psc.html) [SMA: Zulässige Impedanzwerte](https://manuals.sma.de/Business-Systeme-PL/de-DE/13017828747.html)
Von der Überschlagsrechnung zur Planung
Für eine erste Prüfung sollten Sie für jeden Leitungsabschnitt Material, einfache Strecke, Querschnitt, Strom und Betriebsspannung getrennt erfassen. Verwechseln Sie dabei nicht die einfache Entfernung mit dem elektrischen Gesamtweg; passende Berechnungshilfen berücksichtigen die Leitungssegmente und können Spannungsfall sowie relative Verlustleistung ausweisen. SMA beschreibt in Sunny Design die Eingabe von Leitungsmaterial, einfacher Länge und Querschnitt sowie die automatische Berechnung dieser Größen. [SMA: Projektseite „Leitungsdimensionierung“](https://manuals.sma.de/SDesign/de-DE/14568622091.html) Das Ergebnis ist nur ein Teil der Dimensionierung. Victron macht darauf aufmerksam, dass die Strombelastbarkeit zusätzlich von der konkreten Installation und den Bedingungen abhängt; SMA nennt für AC-Leitungen etwa Strom, Kabelart, Verlegeart, Häufung, Umgebungstemperatur und gewünschte Verluste als Einflussgrößen. Lassen Sie deshalb den endgültigen Leiterquerschnitt einschließlich Schutz, Steckverbindern, Temperatur und lokalen Vorgaben von einer Elektrofachkraft prüfen. Eine pauschale „Millimeter pro Meter“-Regel kann diese Prüfung nicht ersetzen.