Standby abschalten: Eigenverbrauch mitrechnen
16.10.2026
Eine smarte Steckdose spart nur netto Strom, wenn vermiedener Leerlauf ihren Eigenverbrauch übersteigt. So messen Sie Abschaltzeiten und rechnen mit offengelegten Annahmen.
Nicht die Brutto-, sondern die Nettoersparnis zählt
Eine schaltbare Steckdose kann Stand-by-Verbraucher vom Netz trennen. Bei einer smarten Steckdose bleibt jedoch ein zusätzliches Gerät dauerhaft oder zeitweise in Betrieb, damit es Schaltbefehle ausführen kann. Entscheidend ist deshalb nicht allein, wie viel Strom das Zielgerät während einer Abschaltung nicht mehr bezieht. Ziehen Sie den Eigenverbrauch der Steuersteckdose ab: Nettoersparnis = vermiedene Energie des Zielgeräts minus Energie der Steuerung. Das Umweltbundesamt ordnet Stand-by als bekannte, aber nicht einzige Form von Leerlaufverlusten ein. Das macht eine Messung über einen passenden Zeitraum aussagekräftiger als eine pauschale Schätzung.
Erst die vermeidbaren Stunden ermitteln
Messen Sie den Verbrauch des Zielgeräts zunächst ohne smarte Steckdose. Ein Energiekostenmonitor kann dabei helfen, Stromverbraucher aufzuspüren. Erfassen Sie nicht nur eine Momentaufnahme, sondern einen für Ihren Alltag typischen Zeitraum: etwa einen Tag, mehrere Nächte oder die tatsächlichen Abwesenheitszeiten. Notieren Sie, wann das Gerät aktiv genutzt wird und wann es lediglich wartet. Maßgeblich für die Rechnung sind nur Stunden, in denen eine Abschaltung wirklich möglich ist. Ein Gerät, das nachts nur kurz im Stand-by steht, spart durch eine lange programmierte Auszeit nicht automatisch über die ganze Zeit die angezeigte Stand-by-Leistung.
Steuersteckdose separat und in Zuständen prüfen
Ermitteln Sie danach den Eigenverbrauch der konkreten Steuersteckdose im Betrieb, in dem sie später eingesetzt wird. Das Datenblatt kann eine erste Orientierung geben, ersetzt aber keine eigene Messung: Herstellerangaben sind nicht automatisch Messwerte für Ihren WLAN-Empfang, Ihre Einstellungen oder alle Schaltzustände. Beim älteren Shelly Plug S nennt der Hersteller beispielsweise weniger als 1 Watt Geräteverbrauch und eine Leistungsmessung. Das ist kein Beleg für andere Modelle und auch keine Aussage über deren Verbrauch in jedem Zustand. Als reine Obergrenzen-Szenariorechnung gilt: Würde eine Steuerung dauerhaft 1 Watt aufnehmen, wären das 1 W × 24 h × 365 / 1.000 = 8,76 kWh pro Jahr. Verwenden Sie für Ihre Rechnung den von Ihnen gemessenen Verbrauch beziehungsweise den passenden dokumentierten Wert.
Beispielrechnung mit klaren Annahmen
Angenommen, ein Gerät zieht im vermeidbaren Leerlauf 10 Watt und kann an 8 Stunden pro Tag tatsächlich abgeschaltet werden. Bei 365 Tagen wären das brutto 10 W × 8 h × 365 / 1.000 = 29,2 kWh pro Jahr. Setzen Sie für die Steuersteckdose im Beispiel vorsichtig 1 Watt über alle 24 Stunden an, ergeben sich 8,76 kWh pro Jahr. Die Nettoersparnis läge dann bei 20,44 kWh. Das ist ein Rechenszenario, keine typische Einsparung: Die Werte für das Zielgerät und die nutzbaren Stunden sind hier frei gewählte Annahmen. Bei einem ebenfalls angenommenen Strompreis von 0,35 Euro/kWh entspräche die Nettoenergie rund 7,15 Euro im Jahr. Mit Ihren Messwerten und Ihrem Vertragspreis kann das Ergebnis deutlich anders ausfallen.
Abschaltzeiten dürfen Funktionen nicht stören
Prüfen Sie vor dem Zeitplan, welche Funktionen während der Abschaltung entfallen. Beim Fernseher können Schnellstart sowie WLAN- und Netzwerkfunktionen den Stand-by-Verbrauch erhöhen; zugleich können solche Funktionen gewollt sein. Eine vollständige Trennung kann je nach Gerät auch Komfort oder geplante Abläufe beeinflussen. Entscheidend ist deshalb die Anleitung des konkreten Zielgeräts: etwa ob ein Update, eine Aufnahme, eine Synchronisierung oder eine Fernstartfunktion Stromversorgung benötigt. Solche Anforderungen lassen sich nicht für alle Geräte verallgemeinern. Wenn Sie sie nicht sicher klären können, ist die betreffende Abschaltzeit nicht als vermeidbare Leerlaufzeit anzusetzen.
Wann sich die smarte Steuerung rechnet
Vergleichen Sie am Ende drei Größen: den gemessenen vermeidbaren Leerlauf des Zielgeräts, die tatsächlichen Abschaltstunden und den Eigenverbrauch der smarten Steckdose. Rechnen Sie jede Energie in kWh um und multiplizieren Sie die Netto-kWh mit Ihrem Strompreis. Bleibt die Nettoersparnis nahe null oder wird sie negativ, ist eine einfache schaltbare Steckdosenleiste oder das manuelle Abschalten möglicherweise die passendere Lösung. Für ein belastbares Ergebnis halten Sie Modell, Messdauer, Betriebszustände, Strompreis und Annahmen fest. So bleibt sichtbar, ob eine vermeintliche Standby-Ersparnis nach Abzug der Steuerung noch übrig ist.