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String-Sicherungen: Wann parallele Modulstränge Schutz benötigen

08.10.2026

Bei Parallelstrings entscheidet nicht allein ihre Anzahl über den Schutzbedarf: Maßgeblich ist, welcher Rückstrom bei einem Fehler möglich ist und was Module, Leitungen und Wechselrichter vertragen. So lässt sich das Schutzkonzept nachvollziehbar prüfen, ohne eine pauschale Sicherungsregel anzuwenden.

Warum ein einzelner fehlerhafter String Rückstrom sehen kann

In einem String liegen Module in Reihe; mehrere Strings können anschließend parallel auf einen gemeinsamen Eingang oder eine Sammelschiene geführt werden. Im Normalbetrieb speisen sie gemeinsam ein. Wird jedoch ein String durch einen Fehler elektrisch niederohmig oder teilweise kurzgeschlossen, können die übrigen parallelen Strings Strom in Richtung dieses fehlerhaften Zweigs liefern. Dieser Strom heißt Rückstrom. SMA beschreibt bei einem bestimmten Wechselrichter eine elektronische String-Sicherung, die den PV-Generator überwacht und vor gefährlichem Rückstrom schützen soll ([SMA-Anschlussanleitung](https://manuals.sma.de/STPTL-10/de-DE/391159691.html)). Die Sicherung ist also kein allgemeiner Schutz gegen jede Verschattung und auch keine Ertragssicherung. Entscheidend ist ein Fehlerfall, in dem andere Quellen dem betroffenen Strang Strom zuführen. Das Schutzkonzept muss diesen Fehlerpfad betrachten, nicht nur den normalen Betriebsstrom.

Warum die Zahl der Strings nur ein Hinweis ist

Ein einfaches Denkmodell: Bei zwei parallelen Strängen kann im Fehlerfall der intakte Strang zum fehlerhaften beitragen. Bei drei Strängen können es zwei intakte Stränge sein; damit wächst die mögliche Rückspeisung. Das erklärt, weshalb die Anzahl paralleler Stränge als Warnsignal dient. Sie ersetzt aber nicht die Prüfung der konkreten Ströme und Bauteilgrenzen. Auch der Wechselrichter spielt hinein: Eingänge können intern getrennt, parallel geschaltet oder durch eine gerätespezifische Schutzfunktion überwacht werden. Fronius nennt als maßgebliche Auswahlgrößen unter anderem maximalen Modul-Rückstrom und den maximalen String-Sicherungswert im Moduldatenblatt ([Fronius-Betriebsanleitung](https://manuals.fronius.com/html/4204102124/en-US.html)). Deshalb ist die Faustregel „ab drei Strings immer Sicherungen“ höchstens ein Anlass zur Prüfung, keine universelle Auslegungsanweisung.

So wird der Schutzbedarf praktisch geprüft

Für eine belastbare Prüfung braucht die Fachkraft mindestens das Moduldatenblatt, die Angaben zu Stringverkabelung und Steckverbindern sowie die Anschluss- und Schutzdaten des Wechselrichters oder der Sammelbox. Daraus wird der mögliche Fehlerstrom aus den parallel einspeisenden Zweigen ermittelt und mit der zulässigen Rückstrom- beziehungsweise Überstromgrenze jedes betroffenen Bauteils verglichen. Wird eine Grenze überschritten, muss eine geeignete Schutzmaßnahme vorgesehen werden. Ein hilfreicher Ablauf ist: erst den tatsächlichen Parallelpunkt und die Zahl der dort zusammengeführten Strings feststellen; dann den möglichen Strom aus den anderen Strings im Fehlerfall bestimmen; anschließend Modulgrenzen und Strombelastbarkeit der Leitungen und Verbindungen abgleichen; zuletzt prüfen, ob das Gerät selbst einen dafür vorgesehenen Schutz bietet. Die IEC beschreibt ihren PV-Array-Standard als Anforderungen unter anderem an DC-Verdrahtung und elektrische Schutzeinrichtungen ([IEC 62548-1](https://webstore.iec.ch/en/publication/110893)). Die konkrete Auslegung hängt von Gerät, Modulen, Fehlerpfad und den am Installationsort geltenden Regeln ab.

Sicherung ist nicht gleich beliebige Sicherung

Wenn Sicherungen erforderlich sind, muss die Fachkraft Sicherungstyp, Bemessungsstrom, Spannung, Ausschaltvermögen und Einbauort passend zur DC-PV-Anwendung auswählen. Der Bemessungsstrom darf weder so hoch sein, dass der gefährliche Fehlerstrom unentdeckt bleibt, noch so niedrig, dass zulässige Betriebsbedingungen unnötig zu Auslösungen führen. Ebenso müssen Halter, Sammelbox und Leiter für die vorgesehene Anwendung ausgelegt sein. Ein Zahlenwert lässt sich deshalb nicht seriös aus der Stringzahl allein ableiten. Die Herstellerunterlagen sind hier verbindlich für das jeweilige Gerät: SMA warnt beispielsweise bei einem bestimmten Wechselrichtermodell vor einer eingeschränkten Funktion der elektronischen String-Sicherung bei Verwendung einer String-Sammelbox und beschreibt eine gerätespezifische Anschlussreihenfolge ([SMA-Anschlussanleitung](https://manuals.sma.de/STPTL-10/de-DE/391159691.html)). Das ist kein allgemeiner Installationsschritt für andere Wechselrichter, sondern ein Beispiel dafür, dass Schutzfunktionen an Modell und Anschlusskonfiguration gebunden sein können.

Was Betreiber aus den Unterlagen mitnehmen können

Wer eine Anlage beurteilen lässt, kann gezielt nach dem möglichen Rückstrom im Fehlerfall, den zulässigen Rückstromwerten der Module, dem Schutz der einzelnen parallelen Zweige und einer möglichen geräteinternen Schutzfunktion fragen. Sinnvoll ist außerdem, die verwendete Sicherung samt Herstellerfreigabe und die berücksichtigten Datenblattgrenzen in der Anlagendokumentation festzuhalten. Bei Arbeiten an PV-DC-Leitungen besteht auch bei abgeschaltetem Wechselrichter weiterhin elektrische Gefährdung durch die Module. Die Prüfung und Änderung des Schutzkonzepts gehört daher in die Hände einer qualifizierten Elektrofachkraft. Fronius weist darauf hin, dass der Elektroinstallateur für die korrekte Auswahl der String-Sicherungen verantwortlich ist ([Fronius-Betriebsanleitung](https://manuals.fronius.com/html/4204102124/en-US.html)).

Quellen

  1. SMA Solar Technology AG
  2. Fronius International GmbH
  3. International Electrotechnical Commission