Temperaturbereinigte PV-Kennzahlen: Sommer und Winter fair vergleichen
09.10.2026
Die Temperaturbereinigung macht saisonale PV-Kennzahlen vergleichbarer, wenn Messwerte, Temperaturkoeffizient und Referenz klar definiert sind. Sie ersetzt aber keine Prüfung anderer Einflussfaktoren.
Warum eine normale PV-Kennzahl im Jahresverlauf schwankt
Die Performance Ratio (PR) setzt den tatsächlichen Energieertrag ins Verhältnis zu einem auf installierte Leistung und Einstrahlung bezogenen Referenzertrag. Sie ist damit hilfreich, aber kein reiner Qualitätswert: Wetter beeinflusst die Modultemperatur und damit die elektrische Leistung. Ein im Sommer niedrigerer PR als im Winter beweist deshalb für sich genommen weder einen Defekt noch eine Verschlechterung. Der Vergleich wird fairer, wenn man den thermischen Einfluss separat ausweist, statt die beiden Saisonwerte ungeprüft gegeneinanderzustellen. Der NLR-Bericht zur wetterkorrigierten PR beschreibt, warum die Kennzahl im Winter und Sommer deutlich auseinanderliegen kann ([NLR, Weather-Corrected Performance Ratio](https://research-hub.nlr.gov/en/publications/weather-corrected-performance-ratio/)).
Was die Temperaturbereinigung rechnerisch tut
Für eine einfache Leistungsbetrachtung lässt sich ein Messwert auf die STC-Referenztemperatur von 25 °C beziehen: P* = P(T) / [1 + γ × (Tmod − 25 °C)]. γ bezeichnet den relativen Temperaturkoeffizienten der Leistung. Bei einem negativen γ und einer Modultemperatur über 25 °C ist der Nenner kleiner als eins; der berechnete Vergleichswert liegt deshalb über der gemessenen Leistung. Das ist eine modellierte Referenzgröße, kein nachträglicher Energiegewinn. Die Gleichung setzt voraus, dass der verwendete Koeffizient zum Modul passt und dass eine lineare Näherung für den betrachteten Temperaturbereich angemessen ist ([PVPMC: Normalized Efficiency](https://pvpmc.sandia.gov/modeling-guide/5-ac-system-output/pv-performance-metrics/normalized-efficiency/)).
Ein Zahlenbeispiel – ausdrücklich nur als Modellrechnung
Angenommen, ein Modul liefert im Messintervall 100 kW bei 45 °C Modultemperatur. Für die Illustration setzen wir γ = −0,004 pro Grad an. Der Temperaturabstand zur Referenz beträgt 20 Grad, der Faktor damit 1 + (−0,004 × 20) = 0,92. Auf 25 °C bezogen sind das 100 / 0,92, also rund 108,7 kW. Diese Beispielrechnung ist keine Messung und keine Aussage über ein bestimmtes Produkt; sie zeigt nur die Rechenrichtung bei den genannten Annahmen. Der Koeffizient muss aus den technischen Daten des konkreten Moduls stammen und darf nicht ungeprüft von einem anderen Modultyp übernommen werden.
Welche Messdaten für einen belastbaren Vergleich nötig sind
Ein festes Temperaturmodell passt nicht zwangsläufig zu jeder Anlage: Die thermischen Parameter des Sandia-Modells hängen von Modulaufbau, Material und Montageart ab ([Sandia/PVPMC: Sandia Module Temperature Model](https://pvpmc.sandia.gov/modeling-guide/2-dc-module-iv/module-temperature/sandia-module-temperature-model/)). Für die Praxis sollten Modultemperatur und Einstrahlung daher zeitlich zusammenpassend vorliegen. Der IEA-PVPS-Datensatz führt Rückseiten-Modultemperatur als Außendatenvariable. Bei einer eigenen Auswertung sollten außerdem identische Zeitfenster, Messgrenzen und Sensorarten dokumentiert werden; unterschiedliche Messgrundlagen können einen Saisonvergleich verzerren ([IEA-PVPS Task 13-Datensatz bei PVPMC](https://pvpmc.sandia.gov/datasets/iea-pvps-task-13-module-validation-dataset/)).
Was nach der Korrektur noch saisonal bleibt
Temperaturbereinigte Kennzahlen beantworten eine engere Frage: Wie schneiden Messperioden ab, wenn der thermische Einfluss auf eine gemeinsame Referenz bezogen wird? Sie stellen nicht automatisch gleiche Einstrahlung, Spektrum, Verschattung, Schnee, Verschmutzung, Anlagenverfügbarkeit oder Wechselrichterbetrieb her. Die PR bleibt eine Kennzahl des Systems unter den jeweiligen Wetterbedingungen und keine vollständige Diagnose jedes Einzelverlusts. Deshalb sollten Roh-PR und korrigierter PR nebeneinander stehen: Die Rohzahl beschreibt die tatsächlich gemessene Saisonleistung, die korrigierte hilft beim isolierten Blick auf den Temperatureffekt. Referenztemperatur, verwendeter Koeffizient, Messauflösung und ausgeschlossene Zeiträume gehören in den Bericht. Der Vergleich wird dadurch nachvollziehbarer, aber nicht grenzenlos aussagekräftig.