Verbrauchsvergleich zweier E-Autos: Gleiche Strecke reicht noch
16.10.2026
Eine identische Strecke macht noch keinen fairen Verbrauchstest. Entscheidend sind kontrollierte Bedingungen und die klare Trennung von angezeigter Fahrenergie und gemessener Ladeenergie.
Zuerst festlegen, was „Verbrauch“ bedeutet
Zwei Zahlen können beide in kWh/100 km stehen und trotzdem Verschiedenes beschreiben. Der Bordcomputer beziehungsweise ein fahrzeugseitiger Energiewert bildet die Energie während der Fahrt ab; ein Stromzähler an der Wallbox erfasst dagegen die Energie, die zum Nachladen aus dem Netz bezogen wird. Diese Werte sind nicht austauschbar. Die EPA erklärt für ihre MPGe-Angaben ausdrücklich, dass Ladeverluste über Kabel und Bordladegerät einbezogen werden. Das illustriert die abweichenden Bilanzgrenzen: Ein Vergleich muss benennen, ob er Fahrenergie oder Steckdosenenergie meint. Für einen Alltagsvergleich sind beide Ergebnisse nützlich, aber getrennt auszuweisen. Notiere die fahrzeugseitige Anzeige samt Einheit als „Fahrverbrauch“ und den gemessenen Netzbezug als „Nachladeenergie“. Dividiere jeweils durch dieselbe tatsächlich gefahrene Strecke. Fehlt ein separater Stromzähler, gib nicht vor, die Ladeenergie zu kennen.
Testbedingungen vor dem Start angleichen
Lege eine Route fest und fahre sie möglichst direkt nacheinander in beiden Autos. Halte Start- und Endpunkt, Strecke, Fahrtrichtung, Geschwindigkeitsziel, Verkehr, Außentemperatur, Wind, Regen, Höhenprofil und Beladung fest. Eine Hin- und Rückfahrt kann den Einfluss der Fahrtrichtung auf die Steigung mindern, ersetzt aber keine Wetter- oder Verkehrsdokumentation. Auch die Fahrzeugzustände gehören ins Protokoll: Reifendruck nach Fahrzeugvorgabe, Räder, Zahl der Personen, Gepäck, Fahrmodus, Heizung oder Klimaanlage, Sitzheizung, Vorkonditionierung und Ladezustand zu Beginn und Ende. Wähle keine Bedingungen, die einem Auto helfen und dem anderen schaden. Für beide Fahrzeuge sollten Einstellungen und Abläufe gleich sein. Dass Testbedingungen den Messwert verändern können, zeigt schon die EPA-Beschreibung ihrer fünf Testzyklen mit unterschiedlichen Temperatur- und Klimatisierungsbedingungen.
Strecke, Tempo und Wiederholung dokumentieren
Eine ähnliche Kartenroute genügt nicht als Nachweis. Erfasse den Kilometerzähler am Anfang und Ende sowie die gefahrene Strecke; notiere außerdem Route und Straßenbeschaffenheit. Ein historisches Konstantgeschwindigkeits-Testverfahren des US-Energieministeriums verlangt unter seinen Testbedingungen eine ebene Strecke. Das ist kein allgemeines Muss für private Vergleiche, macht aber deutlich, weshalb Steigung und Streckenverlauf mit in die Notizen gehören. Fahre die Vergleichsrunden mehrfach und wechsle die Reihenfolge der Fahrzeuge, soweit praktikabel: sonst könnte etwa eine Veränderung von Wind oder Verkehr mit dem Fahrzeug verwechselt werden. Verwende dieselbe Fahrweise und dieselben Geschwindigkeitsvorgaben, nicht nur dieselbe Straße. Wiederholungen machen sichtbar, ob ein Unterschied stabil ist oder in der Streuung der Fahrten untergeht. Das DOE beschreibt Labor-Benchmarking auch als Ausgangspunkt für anschließende Betriebs- und Flottentests, nicht als Ersatz für solche Einsätze.
Messwerte und Unsicherheit getrennt ausweisen
Pro Fahrt gehören mindestens dazu: Fahrzeug und konkrete Konfiguration, Datum, Strecke in Kilometern, Fahrzeit, Start- und End-Ladezustand, angezeigte Fahrenergie, geladene Energie am Netz, Wetter und Nebenverbraucher. Gib Messgerät beziehungsweise Fahrzeuganzeige und deren Einheit an. Eine Anzeige ist nicht automatisch ein geeichtes Messgerät. Das veröffentlichte Testverfahren verlangt regelmäßige dokumentierte Kalibrierung; das ist eine Vorgabe für dieses Verfahren, keine pauschale Genauigkeitsgarantie für private Wallboxen oder Bordcomputer. Berichte pro Fahrzeug zunächst jede Fahrt und danach Mittelwert sowie Spannweite oder Standardabweichung. Bei zwei oder drei Fahrten ist die Spannweite oft leichter verständlich als ein scheinbar präziser Siegerwert. Wenn der Abstand der Mittelwerte kleiner ist als die beobachtete Schwankung, lautet das Ergebnis: unter diesen Bedingungen nicht eindeutig unterscheidbar. Rechne nicht aus einer Differenz der angezeigten Ladezustände auf kWh um, solange die konkrete Fahrzeuganzeige diese Zuordnung nicht belastbar hergibt.
Keine Rangliste aus nicht vergleichbaren Werten
Ein Ergebnis gilt zunächst nur für die gefahrene Route, die beobachteten Bedingungen und die gewählte Bilanzgrenze. Verbrauchsangaben aus einem Zertifizierungszyklus, der Bordcomputer und der Netzbezug beim Nachladen können methodisch auseinanderliegen. Die EPA testet nach festgelegten Zyklen und korrigiert Reichweitenangaben, um reale Einflüsse abzubilden; daraus folgt nicht, dass eine einzelne private Runde diesen Prüfablauf nachbildet. Ein fairer Bericht nennt deshalb nicht bloß „Auto A verbraucht weniger“, sondern etwa: Fahrverbrauch aus Bordanzeige, Netzenergie aus Zähler, jeweilige Messstrecke, Zahl der Wiederholungen und Bedingungen. Erst wenn sich die Messgrenze deckt, die Bedingungen ausreichend ähnlich sind und der Unterschied größer als die beobachtete Streuung ist, lässt sich eine vorsichtige Aussage für diesen Vergleich treffen. Ohne eigene Messfahrten gibt es hier keinen redaktionellen Testsieger.