Verdachtsmodul im Labor: den Prüfauftrag gezielt eingrenzen
09.10.2026
Ein Laborauftrag wird aussagekräftiger, wenn er das konkrete Symptom, den Entscheidungsbedarf und die Grenzen der gewünschten Prüfung benennt. Zertifizierungsprüfungen, Leistungsmessungen und Fehleranalysen beantworten unterschiedliche Fragen; ein Standardprogramm ist daher nicht automatisch eine Ursachenanalyse.
Erst die Entscheidung benennen, dann die Methode wählen
Ein Verdachtsmodul ist noch keine präzise Prüffrage. Soll geklärt werden, ob ein einzelnes Modul weniger Leistung liefert als erwartet? Geht es um einen sichtbaren Schaden, eine vermutete Zell- oder Verbindungsstörung oder um die Frage, ob ein ganzes Los betroffen sein könnte? Schreiben Sie außerdem auf, welche Entscheidung das Ergebnis ermöglichen soll: Annahme oder Zurückweisung einer Lieferung, Eingrenzung eines Garantieanspruchs, Auswahl weiterer Untersuchungen oder eine technische Ursachenhypothese. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil eine Typzulassungsprüfung etwas anderes bezweckt als die Untersuchung eines individuellen Schadens. IEC 61215-2 beschreibt eine Qualifikations- und Typzulassungs-Prüfsequenz, während das Fraunhofer ISE auch kundenspezifische Zuverlässigkeitsuntersuchungen aufführt. Der Auftrag sollte daher nicht bloß „Modul nach Norm prüfen“ lauten, wenn eigentlich eine konkrete Abweichung untersucht werden soll.
Den Verdacht so dokumentieren, dass er prüfbar wird
Beschreiben Sie den Befund beobachtbar und ohne die Ursache vorwegzunehmen. Statt „Zellriss“ besser: „Im EL-Bild erscheint die rechte untere Zelle teilweise dunkel“ – sofern diese Beobachtung tatsächlich vorliegt. Ergänzen Sie Modulhersteller und Typ, Seriennummer, Herkunft beziehungsweise Charge, Alter und Betriebs- oder Lagerbedingungen. Halten Sie fest, wann und unter welchen Bedingungen Auffälligkeiten aufgetreten sind; fügen Sie verfügbare Fotos, Messwerte, Anlagenmeldungen und frühere Prüfberichte bei. Trennen Sie dabei drei Ebenen: Was wurde beobachtet? Welche Erklärung wird vermutet? Welche davon soll das Labor prüfen? Diese Trennung verhindert, dass ein Prüfauftrag die Diagnose bereits als Tatsache voraussetzt. Sind mehrere Module betroffen, dokumentieren Sie, wie das Verdachtsmodul ausgewählt wurde und welche Vergleichsmodule verfügbar sind. Für die Einordnung einer Einzelprobe kann ein geeigneter Vergleich besonders hilfreich sein; er ersetzt jedoch keine repräsentative Stichprobenplanung für ein Los.
Prüfumfang passend zur Fragestellung begrenzen
Ein Prüfprogramm kann unterschiedliche Ebenen abdecken: Sichtprüfung, elektrische Leistungscharakterisierung, Elektrolumineszenz (EL), Infrarotaufnahmen, Sicherheitsprüfungen oder gezielte Zuverlässigkeits- und Belastungstests. Die Verfahren beantworten nicht dieselbe Frage. Eine Leistungsmessung quantifiziert die elektrische Abgabe unter den jeweiligen Messbedingungen; ein EL-Bild kann bestimmte Zellauffälligkeiten sichtbar machen. In einer Fraunhofer-Untersuchung wurden beispielsweise EL-Bilder und Modulleistung vor und nach Belastungstests verglichen und ausgewählte Defekttypen ausgewertet. Formulieren Sie deshalb nicht nur eine Wunschliste von Messverfahren, sondern fragen Sie, welche Kombination zur Entscheidung führt. Soll zunächst zerstörungsfrei eingegrenzt werden, ob eine tiefergehende Analyse nötig ist? Oder wird ausdrücklich ein Belastungstest verlangt, um eine bestimmte Zuverlässigkeitsfrage zu untersuchen? Der Fraunhofer-Katalog unterscheidet zahlreiche Prüfverfahren in den Bereichen Alterung, Leistung und Sicherheit; mehr Prüfungen bedeuten nicht automatisch eine bessere Antwort auf die konkrete Frage.
Vergleich, Umfang und Aussagegrenzen ausdrücklich vereinbaren
Legen Sie mit dem Labor vor Versand fest, ob der Auftrag ein Modul oder mehrere Proben umfasst, ob Vergleichsmodule nötig sind und ob die Untersuchung zerstörungsfrei bleiben muss. Fragen Sie, welche Eingangsdaten erforderlich sind, wie Proben gekennzeichnet und transportiert werden sollen und ob eine Öffnung oder andere möglicherweise irreversible Maßnahme überhaupt Teil des Auftrags sein darf. Umfang und Reihenfolge sollten schriftlich bestätigt werden. Bei Belastungsprüfungen sollte die Fragestellung die gewünschte Belastung, den Vergleichszustand und die zu beobachtenden Größen benennen. Die Fraunhofer-Studie zeigt, dass zusätzliche Belastungsdauer nicht für jede Probe dieselbe Aussage liefert: Eine Verlängerung der Feuchte-Wärme-Prüfung führte dort nur bei Modulen, die nach 1.000 Stunden bereits auffällig waren, zu weiterem signifikantem Leistungsverlust. Das ist ein Studienbefund, keine allgemeine Vorhersage für jedes Modul oder jedes Prüfprogramm.
Bericht nicht nur als Ergebnis, sondern als Entscheidungsgrundlage bestellen
Vereinbaren Sie, dass der Bericht Prüfmuster und Identifikationsdaten, verwendete Verfahren und Bedingungen, Messunsicherheit soweit angegeben, Beobachtungen, Ergebnisse und Einschränkungen nachvollziehbar aufführt. Bitten Sie um eine klare Trennung zwischen Messbefund und Interpretation sowie um eine Antwort auf die konkrete Auftragsfrage. Wenn die Ursache offenbleibt, sollte der Bericht das als Grenze der Untersuchung benennen und gegebenenfalls den nächsten sinnvollen Prüfschritt erläutern. Ein knappes Beispiel für einen zielgerichteten Auftrag könnte lauten: „Bitte untersuchen Sie Modul X auf die dokumentierte Leistungsabweichung und die im beigefügten Bild erkennbare Auffälligkeit. Gewünscht sind zunächst zerstörungsfreie Befundaufnahme und elektrische Charakterisierung; bitte stimmen Sie weitere oder irreversible Untersuchungen vorab ab. Berichten Sie, welche Ursachen mit den eingesetzten Verfahren gestützt, ausgeschlossen oder nicht beurteilt werden können.“ So wird nicht garantiert, dass das Labor eine eindeutige Fehlerursache findet. Es wird aber klar, worauf sich die Untersuchung beziehen soll und welche Schlussfolgerung der Befund tragen kann.