SolarbefundRatgeberRechner

Vertikale Agri-PV mit bifazialen Modulen: Flächenlayout und Tagesprofil prüfen

09.10.2026

Ein vertikales bifaziales Anlagenkonzept kann landwirtschaftliche Nutzung mit Stromerzeugung verbinden; für ein von Next2Sun beschriebenes Projekt sollte die landwirtschaftliche Produktion auf mehr als 90 Prozent der Fläche erhalten bleiben. Wie sich Layout und Erzeugungsprofil am eigenen Standort verhalten, muss gesondert geprüft werden.

Zuerst den Betrieb abbilden – dann die Reihen setzen

Vertikale Agri-PV ist nicht einfach ein Solarzaun mitten im Feld. Das Layout muss weiterhin eine praktikable Bewirtschaftung ermöglichen: Welche Maschinen müssen durch, wie breit sind Arbeits- und Wendebereiche, und welche Kulturen sollen zwischen den Modulreihen wachsen? Ein Fraunhofer-ISE-Demonstrator beschreibt ein vertikales Konzept mit Reihenabständen von bis zu zwölf Metern. Das ist ein konkretes Konzept, kein allgemeingültiger Sollabstand. Prüfen Sie daher zuerst die tatsächlichen Arbeitsbreiten, Anbaugeräte, Vorgewende und Transportwege des Betriebs. [Fraunhofer ISE: Agri-PV-Demonstrator](https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/news/2024/agri-photovoltaik-im-landwirtschaftssimulator-erleben.html) Eine einfache Layoutskizze sollte Modulreihen, freie Fahrgassen, Vorgewende, Zufahrten sowie Bereiche enthalten, die eventuell nicht regulär bewirtschaftet werden. Zeichnen Sie die realen Maschinenumrisse einschließlich Anbaugerät und Sicherheitsabstand ein. So wird sichtbar, ob die rechnerisch verfügbare Fläche in der Praxis zusammenhängend nutzbar ist oder ob ungünstige Engstellen entstehen. Das ist eine Planungsmethode, keine Aussage, dass ein bestimmter Abstand für jeden Betrieb genügt.

Bifazial heißt zwei aktive Seiten – nicht automatisch doppelter Ertrag

Bei vertikalen bifazialen Modulen sind die beiden Seiten für die Stromerzeugung relevant. Im beschriebenen ISE-Konzept stehen die Module Ost-West; dadurch erreicht Morgen- beziehungsweise Abendsonne jeweils eine Modulfläche. Das unterscheidet das Profil von konventionellen, südorientierten Anlagen, deren Erzeugung laut Projektmitteilung häufig um die Mittagszeit ihren Schwerpunkt hat. [Fraunhofer ISE: Agri-PV-Demonstrator](https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/news/2024/agri-photovoltaik-im-landwirtschaftssimulator-erleben.html) [Next2Sun: Projekt Löffingen](https://next2sun.com/neues-next2sun-agri-pv-projekt-in-loeffingen/) Für die Planung zählt deshalb nicht nur der Tages- oder Jahresertrag, sondern auch die zeitliche Verteilung. Legen Sie das erwartete Erzeugungsprofil neben den betrieblichen Strombedarf, mögliche Speicher- oder Vermarktungsoptionen und die Netzanschlussbedingungen. Die Verschiebung in die Tagesrandzeiten ist eine Profilcharakteristik, aber keine Zusage eines bestimmten Mehrerlöses: Wetter, Standort, Auslegung, Marktpreise und Abregelung beeinflussen das Ergebnis. Ein belastbarer Vergleich benötigt standortbezogene Ertragsberechnung und, wenn relevant, stündliche Zeitreihen.

Kultur und Lichtbedarf im gleichen Raster prüfen

Freie Fahrgassen lösen noch nicht die pflanzenbauliche Frage. Eine Kultur benötigt Licht zu bestimmten Entwicklungsphasen; zugleich verändern Modulreihen den Schattenverlauf im Tages- und Jahresgang. Fraunhofer ISE erprobt in seiner Modellregion verschiedene Modularten – darunter bifaziale und semitransparente Varianten. Das macht deutlich: Die passende Konfiguration hängt von Nutzung und Standort ab, nicht allein vom Modultyp. [Fraunhofer ISE: Modellregion Agri-PV BaWü](https://www.ise.fraunhofer.de/de/forschungsprojekte/agri-pv-bawue.html) Praktisch heißt das: Halten Sie für die geplante Kultur Lichtansprüche und relevante Wachstumsphasen fest, stellen Sie ihnen die erwarteten Schattenzonen gegenüber und prüfen Sie die Bearbeitbarkeit in jeder Saison. Bei einer Neuplanung kann ein Variantenvergleich mit unterschiedlichen Reihenabständen, Ausrichtungen und Modultypen helfen. Die Ergebnisse sollten als Szenarien gekennzeichnet bleiben, bis sie durch geeignete Standortdaten beziehungsweise Monitoring bestätigt sind.

Ein Entscheidungsblatt statt einer pauschalen Flächenquote

Für die Vorprüfung genügt ein kompaktes Entscheidungsblatt mit vier Ebenen: erstens die nutzbare Fläche nach Abzug von Wegen und Vorgewenden, zweitens die Kultur- und Maschinenanforderungen, drittens die zu erwartenden Licht- und Schattenbereiche und viertens das stündliche Stromprofil. Vergleichen Sie mindestens zwei Layoutvarianten und notieren Sie, welche Annahmen noch ungeprüft sind. Eine in einem Demonstrator ausgewiesene Nutzungsquote darf nicht auf einen anderen Schlag übertragen werden, ohne dessen Geometrie und Bewirtschaftung zu prüfen. Auch die Evidenzlage sollte in die Entscheidung einfließen: Die Modellregion des Instituts erprobt verschiedene Systemtypen und richtet Anlagen an der jeweiligen Kultur aus. Daraus folgt nicht, dass ein bestimmtes Layout bereits für jede Kultur ertragsneutral oder wirtschaftlich überlegen wäre. Eine fachliche Planung sollte landwirtschaftliche Beratung, Anlagenplanung und gegebenenfalls eine standortspezifische Ertrags- und Verschattungsanalyse zusammenführen. [Fraunhofer ISE: Modellregion](https://www.ise.fraunhofer.de/de/forschungsprojekte/agri-pv-bawue.html)

Quellen

  1. Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE
  2. Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE
  3. Next2Sun AG