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Warum eine Schattenaufnahme im Sommer nicht für das ganze Jahr reicht

08.10.2026

Ein Foto im Sommer bildet nur den Schatten zu einem bestimmten Zeitpunkt ab. Für eine belastbare PV-Planung zählen Sonnenstand und örtliche Hindernisse über den Jahresverlauf – und die Grenzen pauschaler Simulationen.

Ein Foto ist ein Zeitpunkt, keine Jahresbilanz

Ein Dachfoto bei hoch stehender Sommersonne kann beruhigend wirken: Der Schatten eines Schornsteins ist kurz, ein Baum wirft seinen Schatten vielleicht an der Dachfläche vorbei. Das Bild belegt aber nur, was an diesem Ort, an diesem Tag und zu dieser Uhrzeit geschieht. Im Laufe des Jahres verändert sich die Sonnenbahn; besonders bei niedrigem Sonnenstand können Hindernisse weiter über eine Fläche reichen. Deshalb führt der DOE-Leitfaden monatliche Werte aus Sonnenbahn-Analysen als mögliche Grundlage einer Verschattungsbewertung auf. Eine Sommeraufnahme allein kann diese saisonale Prüfung nicht leisten. [DOE-Leitfaden zur PV-Standortbewertung](https://www.energy.gov/sites/prod/files/2013/11/f5/rerh_solar_electric_guide.pdf)

Warum Wintersonne andere Schatten zeigt

Im Winter steht die Sonne auf ihrer Tagesbahn niedriger als im Sommer. Bei ähnlichem Abstand zum Hindernis wird der Schatten dadurch länger: Eine entfernte Baumkrone oder ein Nachbargebäude kann im Winter bis in einen Dachbereich reichen, der im Sommer frei bleibt. Umgekehrt bedeutet ein langer Winterschatten nicht automatisch, dass ein Dach ungeeignet ist. Entscheidend sind Dauer, Richtung und betroffene Modulfläche – und wie viel Licht in den übrigen Monaten verfügbar ist. Der DOE-Leitfaden empfiehlt, die Auswirkungen am vorgesehenen Anlagenstandort in einer Verschattungsstudie festzuhalten, statt die Beurteilung auf einen optischen Eindruck zu stützen. [DOE-Leitfaden](https://www.energy.gov/sites/prod/files/2013/11/f5/rerh_solar_electric_guide.pdf)

Beispiel: Baum südwestlich des Dachs

Angenommen, eine hohe Baumkrone steht südwestlich eines Dachs. Ein Foto am Sommertag um die Mittagszeit kann zeigen, dass sie die geplanten Module nicht trifft. An einem Wintertag kann die niedrigere Sonne am Nachmittag dagegen einen langen Schatten in Richtung Dach werfen. Für die Planung sind deshalb mehrere Zeitfenster relevant: morgens, mittags und nachmittags sowie unterschiedliche Monate. Die Aufnahme sollte aus einem festen, nachvollziehbaren Standort erfolgen und die betroffene Dachzone erkennbar machen. Das Beispiel ist geometrisch und keine Ertragsprognose: Wie stark eine Teilverschattung die Energieabgabe beeinflusst, hängt laut JRC auch davon ab, wie die Module konkret installiert sind. [JRC zu Verschattung und PV-Ertrag](https://joint-research-centre.ec.europa.eu/photovoltaic-geographical-information-system-pvgis/general-information/data-sources-calculation-methods_en)

Vor-Ort-Aufnahmen und Simulation ergänzen sich

Praktisch hilfreich ist eine einfache Dokumentation: Dachflächen-Skizze mit Nordrichtung, markierte Hindernisse, Fotos zu mehreren Tageszeiten und Notizen zu Datum und Uhrzeit. Ergänzen lässt sich das durch eine standortbezogene Sonnenbahn- oder Verschattungsanalyse. Dabei muss klar sein, welche Hindernisse das Modell tatsächlich abbildet. Das PVGIS-Horizontprofil kann Gelände berücksichtigen, erfasst laut JRC aber keine sehr nahen Häuser oder Bäume. Ein digitales Ergebnis ohne Vermessung solcher Objekte kann daher lokale Schatten auslassen. Bei Geländeabschattung beschreibt das JRC die Berechnung mit diffusem Licht; das beantwortet jedoch nicht automatisch, wie jedes einzelne Modul auf eine nahe Teilverschattung reagiert. [JRC-Horizontprofil](https://joint-research-centre.ec.europa.eu/photovoltaic-geographical-information-system-pvgis/using-pvgis-5/pvgis-5-tools/horizon-profile_en), [JRC-Berechnungsmethoden](https://joint-research-centre.ec.europa.eu/photovoltaic-geographical-information-system-pvgis/general-information/data-sources-calculation-methods_en)

Was die Schattenanalyse leisten soll – und was nicht

Eine gute Schattenanalyse macht den Jahresverlauf nachvollziehbarer und gibt dem Fachbetrieb eine Grundlage, Modulflächen und elektrische Verschaltung zu prüfen. Sie ist nicht gleichbedeutend mit der Vorhersage eines konkreten Jahresertrags: Wetter, lokale Geometrie und Anlagenkonfiguration spielen ebenfalls eine Rolle. Vermeiden Sie daher den Planungsfehler, eine unverschattete Sommeraufnahme als Beleg für ganzjährig freie Einstrahlung zu behandeln. Fragen Sie stattdessen nach einer Darstellung, die Monate und Tageszeiten abdeckt, nahe Hindernisse benennt und Unsicherheiten offenlegt. Bei Bäumen sollte außerdem bedacht werden, dass ihre Krone sich verändern kann; ein heutiger Befund ist kein Versprechen über die künftige Situation.

Quellen

  1. Joint Research Centre der Europäischen Kommission
  2. U.S. Department of Energy (Renewable Energy Ready Home guide)
  3. Joint Research Centre der Europäischen Kommission