Zeitstempel in PV-Daten: Sommerzeitfehler im Tagesprofil vermeiden
09.10.2026
Ein sauberer Zeitbezug verhindert, dass Sommerzeitwechsel, doppelte Ortszeiten oder modellabhängige Verschiebungen als Fehler im PV-Ertrag erscheinen.
Warum die Uhrzeit Teil der Messangabe ist
Ein PV-Leistungswert ohne Zeitbezug ist für den Vergleich nur eingeschränkt brauchbar. Ein Eintrag wie „12:00“ sagt allein weder, welche Zeitzone gemeint ist, noch ob die Zeit den Beginn, die Mitte oder das Ende eines Messintervalls bezeichnet. Prüfen Sie deshalb zuerst Gerätehandbuch, Exportbeschreibung oder Datenkopf; diese Bedeutung lässt sich nicht zuverlässig aus der Kurvenform erraten. UTC ist als gemeinsame Zeitskala hilfreich, weil die Ortszeit in Deutschland saisonal einen anderen Abstand dazu hat: MEZ entspricht UTC+1, MESZ UTC+2. Das PVGIS-Handbuch erlaubt die Anzeige täglicher Profile in UTC oder lokaler Zeit. [PTB zur gesetzlichen Zeit](https://www.ptb.de/cms/ptb/fachabteilungen/abt4/fb-44/ag-441/darstellung-der-gesetzlichen-zeit.html) und [PVGIS-Handbuch](https://joint-research-centre.ec.europa.eu/photovoltaic-geographical-information-system-pvgis/using-pvgis-5/pvgis-5-user-manual_en)
Was beim Wechsel der Sommerzeit passiert
Beim Umstellen auf Sommerzeit springt die deutsche Uhr am letzten Sonntag im März von 2 auf 3 Uhr; eine lokale Stunde kommt an diesem Kalendertag nicht vor. Im Oktober wird von 3 auf 2 Uhr zurückgestellt, sodass die Ortszeit 2 bis 3 Uhr zweimal vorkommt. Eine reine Spalte mit lokalen Uhrzeiten kann die beiden Herbstwerte daher nicht eindeutig unterscheiden. Das ist kein zusätzlicher PV-Messpunktfehler, sondern eine Mehrdeutigkeit der Beschriftung. Zur Einordnung hilft ein einfacher Versatz: Derselbe Zeitpunkt 12:00 UTC entspricht im Winter 13:00 MEZ und im Sommer 14:00 MESZ. Datum und Zeitzonenregel gehören also zusammen; eine feste Umrechnung mit stets plus einer Stunde verschiebt Sommerwerte. [PTB: MEZ/MESZ und UTC](https://www.ptb.de/cms/ptb/fachabteilungen/abt4/fb-44/ag-441/darstellung-der-gesetzlichen-zeit.html) und [Sommerzeitverordnung § 2](https://www.gesetze-im-internet.de/sozv/__2.html)
Erst die Datenkonvention klären, dann Tagesprofile bilden
Beim Import sollten Rohzeitstempel unverändert erhalten bleiben. Notieren Sie dazu mindestens die Zeitzone oder den UTC-Offset, das Messintervall und – falls bekannt – ob der Zeitstempel Anfang, Ende oder Mittelpunkt dieses Intervalls meint. Wenn die Quelle lokale Zeit liefert, konvertieren Sie sie mit einer benannten Zonenregel wie Europe/Berlin in eine eindeutige Zeitachse, statt pauschal einen Offset anzunehmen. Bei einem Herbst-Doppelwert müssen beide Vorkommen unterscheidbar bleiben; wenn die Datei nur zweimal dieselbe lokale Uhrzeit ohne Offset enthält, ist die Zuordnung allein anhand der Uhrzeit unmöglich. Lassen Sie solche Zeilen nicht stillschweigend zusammenfallen oder automatisch deduplizieren. Das PVGIS-Handbuch weist darauf hin, dass seine lokalen täglichen Profile keine Anpassung an die Sommerzeit enthalten. Vergleichen Sie eine solche Darstellung deshalb nicht ungeprüft mit einem gemessenen lokalen Tagesverlauf. [PVGIS-Handbuch](https://joint-research-centre.ec.europa.eu/photovoltaic-geographical-information-system-pvgis/using-pvgis-5/pvgis-5-user-manual_en)
Praktische Plausibilitätsprüfung
Vergleichen Sie zunächst dieselbe Messreihe einmal entlang einer UTC-Achse und einmal in lokaler Uhrzeit. Eine Verschiebung der dargestellten Uhrzeit um eine Stunde an einem Sommerzeitwechsel kann reine Umrechnung sein; beurteilen Sie deshalb Ertrag nicht nur nach der Position eines Peaks auf der Wanduhr. Prüfen Sie die beiden Umstellungsnächte gezielt: Im Frühjahr fehlt eine Ortsstunde, im Herbst ist eine Stunde doppelt. Kontrollieren Sie außerdem, ob nach der Umrechnung Zeitstempel doppelt belegt sind, ob erwartete Intervalle fehlen und ob die Zeitschritte sonst gleichmäßig bleiben. Für seinen CSV-Import nennt PVsyst als Anforderung regelmäßige Zeitabstände ohne Lücke; das ist eine konkrete Importvorgabe dieses Programms, nicht automatisch die Spezifikation jedes Wechselrichters oder Portals. [Sommerzeitverordnung § 2](https://www.gesetze-im-internet.de/sozv/__2.html) und [PVsyst: Zeitreihenimport](https://www.pvsyst.com/help/project-design/Import-time-series-parameters.html)
Zeitverschiebungen nicht blind korrigieren
Eine pauschale Korrektur um minus eine Stunde kann genauso falsche Profile erzeugen wie eine ignorierte Sommerzeit. PVsyst dokumentiert beispielsweise einen speziellen Importfall: Die Simulation verwendet Standard-Winterzeit; Zeitreihen, die den Sommerzeitwechsel enthalten, müssen dort für den Sommerzeitraum um eine Stunde verschoben werden. Das ist eine programmspezifische Verarbeitung, keine allgemeine Regel für alle PV-Daten. Wenn eine Anlagenplattform bereits UTC speichert oder der Export Zeitoffsets enthält, würde ein zusätzlicher manueller Shift die Werte vielmehr erneut versetzen. Bewahren Sie daher Originaldatei und Umrechnungsschritte auf, protokollieren Sie die gewählte Zeitzone und prüfen Sie die resultierende Zeitreihe auf regelmäßige Abstände und Lücken. Sind Zeitbasis oder Intervallkonvention unklar, sollte die Auswertung als unsicher gekennzeichnet statt mit einer vermeintlich präzisen Tageskurve abgeschlossen werden. [PVsyst-Dokumentation zum Import](https://www.pvsyst.com/help/project-design/Import-time-series-parameters.html)