DC-Ladezeit berechnen: Mit Leistungsabschnitten statt Spitzen-kW rechnen
16.10.2026
Die DC-Ladezeit hängt nicht nur von der Spitzenleistung ab. Teile den gewünschten SOC-Bereich in Energieabschnitte, setze je Abschnitt eine mittlere Leistung an und addiere die Zeiten – ohne Fahrzeugkurve bleibt es ein Szenario.
Warum Spitzen-kW nicht die ganze Ladezeit erklären
Wer die DC-Ladezeit berechnen möchte, greift oft zur Spitzenleistung der Säule oder des Fahrzeugs. Das ist für eine grobe Obergrenze nützlich, aber keine verlässliche Zeitangabe für ein ganzes Ladefenster: Die Leistung, die ein Auto tatsächlich annimmt, ändert sich mit dem Ladezustand. Auch Batterieenergie, fahrzeugseitige Ladefähigkeit und die Ladeausrüstung spielen laut AFDC eine Rolle. Der vorhandene Solarbefund-Rechner benennt seine eigene Grenze ausdrücklich: Er arbeitet für die Ladezeit mit einer verlustbereinigten Leistung, bildet aber weder eine Leistungskurve noch Ladepausen ab. Für eine bessere Näherung brauchst du daher nicht einen maximalen kW-Wert, sondern die mittlere Leistung in jedem Teil des gewünschten SOC-Fensters. Gemeint ist die Leistung, die während dieses Abschnitts tatsächlich in die Batterie fließt – nicht notwendigerweise die Nennleistung des Ladepunkts. Beim DC-Laden gelangt Energie über den Ladepfad direkt zur Traktionsbatterie; die fahrzeugseitigen Grenzen bleiben dennoch relevant.
In Abschnitte teilen und Zeiten addieren
Lege zuerst Start- und Ziel-SOC fest, zum Beispiel 20 bis 80 Prozent. Teile diese Spanne dort, wo sich die angenommene Leistung erkennbar ändert, in Abschnitte. Für jeden Abschnitt gilt dieselbe einfache Rechnung: Zeit in Stunden = Energie im Abschnitt (kWh) ÷ mittlere Leistung (kW). Die Gesamtzeit ist die Summe der Abschnittszeiten. Für ein illustratives Szenario könntest du eine nutzbare Batteriekapazität von 60 kWh annehmen und das Fenster 20 bis 80 Prozent in 20–50 und 50–80 Prozent teilen. Das entspricht rechnerisch je 18 kWh. Nimmst du für den ersten Abschnitt beispielhaft 100 kW und für den zweiten 60 kW an, ergeben sich 18/100 Stunden plus 18/60 Stunden, also rund 29 Minuten. Die Kapazität und beide Leistungswerte sind hier frei gewählte Rechenannahmen – keine Messung und keine veröffentlichte Kurve eines bestimmten Autos. Wenn du SOC-Grenzen ungleich aufteilst, berechnest du die Energie je Teil als nutzbare Batteriekapazität mal SOC-Differenz in Prozent. Verwende nur eine Kapazität, die zum konkreten Fahrzeug passt; eine Bruttoangabe oder ein geschätzter SOC kann die Rechnung verschieben. Die Formel liefert außerdem nur die Zeit für die angesetzten Leistungsabschnitte, nicht automatisch Anfahrt, Anstecken oder eine Pause.
Welche Leistung für das SOC-Fenster einsetzen?
Am besten verwendest du eine veröffentlichte DC-Ladekurve für genau die passende Fahrzeugversion und liest daraus die mittlere Leistung je SOC-Abschnitt ab. Prüfe, ob die Kurve ein bestimmtes Modelljahr, einen Ladezustandsbereich und Bedingungen wie Batterietemperatur nennt. Eine angegebene Spitzenleistung beschreibt nur einen erreichbaren Höchstwert unter den dazugehörigen Bedingungen; sie ersetzt nicht den Durchschnitt des gesamten Abschnitts. AFDC weist ebenfalls darauf hin, dass die DC-Leistung je nach Fahrzeug und Ladezustand variiert. Fehlt die passende Kurve, trage keine scheinbar präzisen Werte ein. Rechne stattdessen mehrere klar bezeichnete Szenarien, etwa mit einer vorsichtigen und einer höheren mittleren Abschnittsleistung. So wird sichtbar, wie stark die Zeit von der Annahme abhängt. Es ist keine Prognose für ein bestimmtes Fahrzeug und kein Versprechen, dass die Station ihre Nennleistung dauerhaft liefert.
Temperatur und Ladevorbereitung als Bedingungen notieren
Eine veröffentlichte Kurve gilt nicht losgelöst von ihren Randbedingungen. Notiere daher, soweit die Quelle es ausweist, Batterietemperatur, Ausgangs-SOC, Modellversion und verwendete Schnellladeleistung. Eine kalte Batterie oder eine abweichende Ladesituation kann dazu führen, dass die reale Leistung unter dem Szenariowert bleibt. Auch Ladepausen und mögliche Begrenzungen am Ladepunkt gehören nicht in eine reine Abschnittsrechnung, solange sie nicht ausdrücklich einbezogen sind. Das ist besonders wichtig, wenn du Zeiten verschiedener Quellen vergleichst: Zwei Angaben für dasselbe SOC-Fenster sind nur dann sinnvoll vergleichbar, wenn Fahrzeugvariante und Bedingungen ähnlich sind. Ohne diese Angaben bleibt das Ergebnis eine Rechenhilfe, nicht die Vorhersage eines konkreten Ladevorgangs.
So verwendest du den vorhandenen Rechner weiter
Für konstante Ladeleistung oder PV-Überschuss bleibt der [Solar-Laderechner für Ladezeit und Reichweite](/kalkulatoren/solar-laderechner-elektroauto-ladezeit-reichweite) passend: Er setzt verfügbare Leistung und Zeit ins Verhältnis und kennzeichnet seine Grenzen. Für eine DC-Sitzung mit stark wechselnder Leistung kannst du seine Grundidee – Energie geteilt durch Leistung – abschnittsweise anwenden und die Teilzeiten addieren. Gib dabei die Annahmen sichtbar an und nenne das Ergebnis ein Szenario, solange keine passende Fahrzeugkurve zugrunde liegt.