20 auf 80 Prozent: nutzbare Kapazität richtig rechnen
16.10.2026
Für die Ladezeit von 20 auf 80 Prozent zählt nicht die Bruttogröße, sondern die nutzbare Energie und der tatsächliche Ladestandsprung. So wird daraus ein kWh-Eingabewert – mit klaren Grenzen.
Der Prozentwert ist erst der erste Schritt
„Von 20 auf 80 Prozent“ beschreibt zunächst eine Differenz von 60 Prozentpunkten – nicht die Energie in kWh. Um daraus einen Energiezuwachs abzuschätzen, braucht man zusätzlich die nutzbare Batteriekapazität des konkreten Fahrzeugs. Als vereinfachtes Rechenmodell gilt: nutzbare Kapazität × (Ziel-Ladestand − Start-Ladestand) ÷ 100. Der ADAC unterscheidet dabei ausdrücklich zwischen gesamtem Brutto- und nutzbarem Netto-Energieinhalt. Weil ein Teil der Bruttokapazität als Puffer am oberen und unteren Ladezustand ungenutzt bleibt, ist der Bruttowert nicht die passende Basis für diese Schätzung. [F1, F2]
Die passende Kapazität gehört zum Fahrzeugmodell
Suche in den technischen Daten nach dem Netto- oder nutzbaren Energieinhalt und gleiche Modelljahr sowie Variante ab. Bezeichnungen wie „Batteriegröße“ oder eine gerundete kWh-Angabe verraten nicht immer, ob brutto oder netto gemeint ist. Der ADAC weist auf uneinheitliche Herstellerangaben hin. [F1] Ein konkretes Beispiel zeigt, warum die Variante zählt: Volkswagen nannte 2024 für den ID.3 GTX 79 kWh netto. Das ist eine Angabe zu diesem Modell, kein allgemeiner Wert für alle ID.3 oder Elektroautos. [F3]
Beispiel: 20 auf 80 Prozent bei 79 kWh netto
Mit 79 kWh nutzbarer Kapazität ergibt ein Sprung von 20 auf 80 Prozent rechnerisch: 79 × (80 − 20) ÷ 100 = 47,4 kWh. Das ist der geschätzte Zuwachs in der Batterie, wenn der angezeigte Ladestand proportional zur nutzbaren Energie behandelt wird. Es ist eine Modellrechnung, keine Zusage, dass das Fahrzeug exakt diese Energiemenge aufnimmt. Bei anderen Start- und Zielwerten wird nur die Differenz eingesetzt: von 35 auf 70 Prozent sind es 35 Prozentpunkte; bei denselben angenommenen 79 kWh wären es 27,65 kWh. Ein Prozentwert allein genügt also nicht. Für eine brauchbare Schätzung müssen Start, Ziel und passende Netto-Kapazität zusammenpassen.
Batterie-Energie und Strom aus der Säule trennen
Die errechneten 47,4 kWh bezeichnen den angenommenen Zuwachs in der Fahrzeugbatterie. Sie sagen nicht automatisch aus, wie viel Energie am Ladepunkt bezogen wird oder wie lange das Laden dauert. In seinen Tests stellt der ADAC zum Teil erhebliche Unterschiede zwischen der zum Vollladen benötigten Energie und der Netto-Batteriekapazität fest. Als mögliche Einflussgrößen nennt er unter anderem Toleranzen, Alterung, Vorkonditionierung und Temperaturen. Daraus lässt sich kein pauschaler Aufschlag für jedes Auto ableiten. [F4, F5] Deshalb Ladeverluste nicht mit einer größeren Batterie „wegkorrigieren“: Das sind verschiedene Größen. Wer den Netzbezug oder die Ladezeit abschätzt, braucht weitere Annahmen zur Ladeleistung und zu Verlusten.
Warum eine konstante kW-Zahl die Zeit nur nähert
Selbst wenn der Energiezuwachs feststeht, bleibt die Ladeleistung nicht zwangsläufig über den gesamten Vorgang gleich. Der ADAC beschreibt eine Ladekurve, deren Leistung bei niedrigerem Ladestand ihr Maximum erreicht und mit steigendem SoC abnimmt. Auch der Zustand der Akkuzellen und das Lademanagement wirken auf die Leistung. [F6, F7] Der Solar-Laderechner fürs Elektroauto fragt bereits nach einem gewünschten Batterie-Energiezuwachs in kWh. Die Prozentrechnung oben liefert dafür einen möglichen Schätzwert. Der Rechner nimmt für seine Ladezeitberechnung jedoch eine konstante verlustbereinigte Ladeleistung an und bildet keine Ladeleistungskurve oder Pausen ab. [F8, F9]
Drei Angaben für eine nachvollziehbare Eingabe
Notiere vor der Rechnung (1) den aktuellen Ladestand, (2) den gewünschten Ziel-Ladestand und (3) die nutzbare Kapazität der konkreten Modellvariante. Berechne erst daraus den Energiezuwachs. Wenn nur ein Bruttowert auffindbar ist, kennzeichne das Ergebnis als unsicher, statt ihn stillschweigend als Netto-Kapazität einzusetzen. [F1] Für die Zeit kommt anschließend eine getrennte Annahme zur mittleren Ladeleistung hinzu. Eine angegebene Spitzenleistung reicht nicht aus, um eine genaue Zeit über einen größeren Ladestandsbereich abzuleiten, weil die Leistungskurve abfallen kann. Behandle das Ergebnis daher als Orientierung und nicht als exakte Vorhersage für den nächsten Ladevorgang. [F6, F9]